What's right?
Die Klimadebatte kühlt ab

Der Klimagipfel in Warschau scheitert. Wichtige Länder steigen aus der Klimapolitik sogar aus. Da die globalen Temperaturen seit 15 Jahren nicht mehr steigen, wächst der Zweifel an apokalyptischen Forschern. Gut so!
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Der Klimagipfel in Warschau endet wie viele Klimagipfel – mit viel heißer Luft und ohne nennenswertes Ergebnis. Es zeigt sich, dass eine wachsende Zahl von Staaten der bisherigen Klimapolitik grundsätzlich misstraut - vom Gastgeberland Polen bis China. Bei der CO2-Reduzierung nehmen große Länder wie Japan, Australien, Brasilien und Kanada frühere Minderungszusagen sogar zurück. Während Umweltaktvisten schockiert sind, einen Triumph der Kohle-, Öl- wie Industrielobby beklagen und meinen, dahinter stecke der uneinsichtige, rücksichtslose Globalkapitalismus, gibt es in Wahrheit einen viel einfacheren, fundamentalen Grund für die Reserviertheit vieler Staaten in Klimafragen: die Apokalypse wird einfach nicht mehr geglaubt.
Der jüngste Uno-Klimareport hat den Stimmungswechsel in der globalen Klimadebatte selber herbei geführt. Denn die Datenreihen zeigen zur Überraschung der Weltöffentlichkeit, dass die durchschnittlichen Temperaturen in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr gestiegen sind. Die Erderwärmung macht – entgegen der Prognosen – eine Pause. Dieses Faktum lässt viele der dramatischen Vorhersagen aus den vergangenen Jahren als Panikmache erscheinen.
Wer aber soll den apokalyptischen Klimadeutern noch glauben, wenn ihre zentrale Messgröße sich ganz anders entwickelt als bislang gedacht. Die meisten Staaten, die Klimawandel bislang pragmatisch und nicht ideologisch betrachtet haben, sehen den Handlungszwang jedenfalls schwinden. Wieso soll man gewaltige Ressourcen mobilisieren auf Basis von Klimamodellen, die derart unsicher sind?
Auch unter Klimaexperten hat nun eine lebhafte Debatte über die Ursachen der Erwärmungspause eingesetzt. Die Sonnenforscher verweisen darauf, dass wohl die veränderten Sonnenaktivitäten dafür verantwortlich seien. Die Bedeutung der solaren Zyklen würde von Klimaforschern dramatisch unterschätzt. Bei einem Kongress der American Astronomical Society (AAS) hielten einige für die kommenden Jahrzehnte sogar eine “kleine Eiszeit” für möglich.
Eine zweite Gruppe von Forschern erklärt das Ende der Erwärmung damit, dass die Ozeane, insbesondere der Pazifik, in den vergangenen Jahren verstärkt Wärmeenergie aus der Atmosphäre aufgenommen hätten. Kühles Meerwasser sei verantwortlich für den Stillstand der Erwärmung, meinen sie im Wissenschaftsmagazin „Nature“. Ein dritter Wissenschaftlerkreis sucht ganz andere Gründe. Im Fachblatt „Nature Geoscience” wird die Veränderung der Ozonschicht für die Erwärmungspause verantwortlich gemacht. Auch der gebremste Methan-Ausstoß könnte es gewesen sein. Welche Theorie auch immer vorgebracht wird, alle seriösen Forscher geben zu, dass man es nicht wirklich weiß. Und man also auch nicht wissen kann, ob die Pause nicht noch viel länger dauern wird, der Klimaschock also ausbleibt.

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  • Es war nicht ein Mangel an Beweisen für den Klimawandel, der zur Kakaphonie in Warschau führte, im Gegenteil - direkt nach dem gewaltigsten Sturm aller Zeiten in den Philippinen war eher die Aktualität des Klimawandels und der Folgen für die ärmsten Regionen der Welt das Thema Nummer eins. Der Grund für den Mangel an Fortschritt in Warschau sind nationale Wirtschaftsinteressen, die hier aufeinander prallen - kein Land will sein Wachstum bremsen, um das Weltklima zu retten. Niemand will Vorreiter sein. Denn das wird zu Hause bestraft, wie wir in Deutschland sehen.
    Es ist ein Zeichen der allgemeinen Klimamüdigkeit, dass das Handelsblatt so wenig aufgeklärt über den aktuellen Stand der Klimaforschung berichtet. Und nicht ein Zeichen des Stillstandes beim Klimawandel, denn langfristig sind die Prognosen dieselben, steigt der Meeresspiegel schneller an als gedacht und schmelzen die Gletscher schneller. Kein kurzfristiger Schock, aber eine langfristige Veränderung, die jeder schon heute beobachten kann. Wenn er nicht blindlings kurzfristige Wirtschaftsinteressen verfolgt.

  • Abseits aller Theorien lebten doch in Sibirien und bei uns schon Mammuts. Da hat es außer ein paar Jägern und Sammlern keine Menschen gegeben. Vielleicht leben wir in einer Erdzeitwende hin zu einem subtropischen Klima in Europa. Was ist daran so schlimm? Und können/wollen wir den Status Quo mit allen Mitteln für die nächsten 20.000 Jahre zementieren?

  • @Baier: Sie haben vollkommen Recht. Es sind aber nicht nur die Polen und Chinesen, die kurzfristig profitieren, wenn sie nicht mitmachen. Es sind insbesondere die heutigen Menschen, die auf Kosten zukünftiger Generationen fossile Brennstoffe verbrennen. Das ist natürlich der Hintergrund für die verzweifelten Versuche "es ist ja nichts bewiesen" zu rufen, statt einfach ehrlich zu sagen "mir doch egal - Hauptsache mir geht es im hier und jetzt gut und die Partie endet nicht so schnell.

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