What's right?
Die linken Chlorhühnchen-Spießer

Die transatlantische Freihandelszone wäre ein Segen für Europas Wirtschaft. Vor allem der deutsche Mittelstand könnte profitieren. Doch die politische Linke läuft Sturm – aus blinder Ideologie gegen Wettbewerb und USA.
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Sozialisten brauchen offenbar Feindbilder für ihre Weltsicht. Vor 100 Jahren war es der Unternehmer, der als „Bourgeoisie-Kapitalist“ gehasst wurde. In den zwanziger Jahren kamen Banken und Juden hinzu, ab den sechziger Jahren dienten Konzerne und der „militärisch-industrielle Komplex“ als Sündenböcke. Schließlich wurde ganz Amerika zur Inkarnation des Klassenkampffeindes.

Man braucht seither nur „Wall Street“ rufen und schon läuft europäischen Genossen ein Schauder über den Rücken und die Pupillen verkleinern sich zu Wutpunkten. US-Unternehmen wie McDonalds und Monsanto, Goldman Sachs und Google werden von Linken in Europa betrachtet wie leibhaftige Teufel.

So ist die Schurkenwelt der Genossen zwar wohlsortiert, doch seitdem George Bush kein Präsident mehr ist, fehlt den Linken von Marseille bis Marzahn das ganz akute Hassobjekt. Da der Klassenfeind aber – Lenin machte seine roten Freunde nachhaltig darauf aufmerksam – „nie schläft“, hat er sich jetzt hellwach das Projekt „transatlantisches Freihandelsabkommen“ ausgedacht. Seither ist TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) der neue Fetisch linker Szenen.

Alles denkbare Grauen wird plötzlich auf TTIP projiziert, so als werde Europa damit in ein raubtierkapitalistisches Gehege von sozialen und ökologischen Mindeststandards verwandelt. Wer sich auf Anti-TTIP-Veranstaltungen umhört, der könnte meinen, es sei so etwas wie das handelspolitische Waldsterben, der soziale Klimaschock oder die ökologische Schweinepest im Anmarsch. Und was den Klimaschützern der Symbol-Eisbär war, das ist den TTIP-Hassern das Chlorhühnchen, das chemietrunken aus Amerika nun bald auf allen Mittagstischen Europas zu landen drohe.

Die Kritik an der Freihandelszone wird getragen von einer ideologischen Ablehnung des freien Wettbewerbs und Handels einerseits, andererseits von einem tief sitzenden Anti-Amerikanismus. Indem Europas Linke offene Grenzen wie freien Handel verhindern wollen und ein einzelnes Land stigmatisieren, wandeln sie sich zusehends zu Retro-Nationalisten.

Wo ist eigentlich der weltoffene Internationalismus geblieben, der linke Vordenker einst auszeichnete? Wo lebt die avantgardistische Modernisierungslust noch, die linke Politik bis weit ins 20. Jahrhundert hinein geprägt hat? In ihrem Widerstand gegen Globalisierung und Freihandel mutiert die Linke zu einer tiefkonservativen, spießigen Bewegung, die den Status Quo von bürokratisch formierten Nationalökonomien unbedingt bewahren will.

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  • Die USA könnten doch jetzt ihre Chlorhähnchen zur Vorsorge nach Afrika verkaufen. Chlor soll ja das einzige sein, mit dem man sich vor Ebola schützen kann.

  • Wieder einmal wird viel geredet,was soll dies?
    Abkommen wie diese, die geheim verhandelt wrden haben nur den einen Zweck, nämlichen einen der Partner überden Tisch zu ziehen.
    Entscheident ist auch, daß das Abkommen nicht nur den Warenverkehr betrifft sonder auch alle Dienstleistung, wie z. B. Leistungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen, den Mindestlohn, die Arbeitsstandarts u.v.m.
    Wie ich die Amis einschätzt, werden sie uns damit ganz schön abzocken.

  • tjyya.. vorlage

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