What's right?
Draghi spielt Monopoly

Die EZB kündigt an, die Geldmenge weiter zu eskalieren. Wenn die Konjunktur schwächeln sollte, würden noch mehr Euros gedruckt, erklärte Präsident Draghi. Denkt denn überhaupt noch jemand an die Risiken und die Folgen?
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Genug ist nicht genug. Derzeit kauft die EZB jeden Monat für rund 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und Wertpapiere. Das ist atemraubende Staatsfinanzierung durch die Notenpresse, eigentlich ein Verfassungsbruch der europäischen Geldordnung. Weil es aber eine explizite Rettungsmaßnahme in der Schuldenkrise sein sollte („ausnahmsweise“, „krisenbedingt“, „einmalig“, „zeitlich begrenzt“, so versprachen die Inflationäre), hat Deutschland dieser dramatischen Geldmengen-Ausweitung zähneknirschend zugestimmt.

Doch nun will Draghi noch mehr: Er bereitet Europa auf die nächste Geldschwemme vor, diesmal mit dem Argument, die Konjunktur sei nicht geschmeidig genug unterwegs. Das Programm mit einem Umfang von 1,14 Billionen Euro laufe bis September 2016, könnte aber verlängert werden, verkündete der EZB-Chef nach der Ratssitzung in Frankfurt.

Das Argument Draghis: Angesichts der Krise in Schlüssel-Volkswirtschaften wie China, Brasilien und Russland drohe auch Europa eine Wachstumsschwäche. Sowohl beim Wachstum als auch bei der Inflationsentwicklung korrigierte die Notenbank ihre bisherigen Prognosen nach unten. Für das laufende Jahr erwartet die EZB für die Euro-Zone nun nur noch einen Anstieg der Wirtschaftsleistung von 1,4 Prozent, bei einer minimalen Preissteigerung von 0,1 Prozent.

Aber 1,4 Prozent ist Draghi zu wenig; er sieht sich nicht – was eigentlich sein Auftrag wäre – als Geldwertstabilisator und Währungshüter, sondern als Konjunkturpolitiker. Und so wird die große Geldspritze ausgepackt – als würde man einen stotternden Motor mit Nitroglyzerin volltanken.

Draghis große Geldflut löst an der Börse erst einmal Spaßbadstimmung aus, denn nun kann man auf den Spekulationswogen billigen Geldes wieder dahinsurfen. Immobilienspekulanten und Börsianer freuen sich, denn die eskalierende Geldschöpfung führt zwangsläufig zu lukrativen Spekulationsblasen in ihren Geschäften.

Dass damit der Keim für künftige Crashs gelegt wird, stört derzeit noch niemanden. Und auch die Politik applaudiert und assistiert, denn so sind die Schuldenberge der Staaten leicht tragbar, da es Geld ja nun dauerhaft umsonst gibt. Damit schwindet der Druck, endlich mit Strukturreformen die Wettbewerbsschwächen Südeuropas zu überwinden. Kurzum: Das leichte Geld aus Frankfurt provoziert letztlich schwere Verwerfungen.

Kommentare zu " What's right?: Draghi spielt Monopoly"

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  • Chapeau! Herr Herbert Maier, Sie haben unbedingt recht!

  • @ Herr Werner Wilhelm Zitat “…sondern ein globales nicht vorübergehendes Phänomen auf Grund von hohen Sparquoten wegen massiven Einkommensungleichverteilungen.” Voellig falsch! Wenn dem so waere, waeren die massiven Liquiditaetsflutungen nicht notwendig gewesen. Die Zinsen sanken erst NACH den Liquiditaetseingriffen der Zentralbanken! Es wurden vielfach gezielt die Zinsen fuer Staaten gesenkt, die Schwierigkeiten hatten, die Zinslast zu tragen. Damit wurden aus dem Kreditausfallrisiko resultierende Zinsunterschiede eingeebnet. Mit dem Quantitative Easing haben die Vereinigten Staaten angefangen, die eine traditionell sehr niedrige Sparquote hatten und die ihren Konsum immer mit steigender Konsumentenverschuldung finanziert haben.

  • Es wurde schon genügend darüber geschrieben das dem Italien absolut nicht zu trauen ist. Berlusconi hatte schon Recht als er nebenbei erwähnte "Die Italiener sollten ihm ein Denkmal bauen als er Drahgi ins Amt bugsierte. Draghi ist Italiener durch und durch. Nach seiner Amtszeit steht Italien fast Schuldenfrei da, und wird dann die EZB in Frage stellen.
    Dar hin angesprochen von ihrem Bergführer, im vorletzten Urlaub, schwieg Frau Merkel.
    Denkt denn überhaupt noch jemand an die Risiken und die Folgen?

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