What's right?
Europas letzter Trumpf heißt Lagarde

Im Griechenland-Poker versucht es Athen mit allen Bluffs und Zockereien. Die Riege der EU-Profis von Juncker bis Schulz wäre längst über den Tisch gezogen worden – wenn IWF-Chefin Lagarde nicht so standhaft wäre.
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Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis ist ein Experte in Spieltheorie. Darüber hat er geforscht, dazu hat er Bücher geschrieben, das probiert er jetzt im Griechenland-Drama bis zum Exzess aus. Varoufakis verblüfft seine europäischen Verhandlungpartner mit atemraubendem Unernst und immer neuen Pokertricks, jede Woche gibt es einen neuen Bluff – nur seriöse Finanzreformen in Griechenland, die bleiben aus. Er fühlt sich aufreizend sicher in seinem Spiel, weil er schon vor Monaten erklärt hat: Am Ende muss Deutschland doch zahlen. Europa werde Griechenland nicht aus dem Euro fallen lassen, weil es Angst vor dem Crash habe.

Außerdem wolle Merkel Europa um jeden Preis zusammenhalten. Diesen Erpressungs-Trumpf wähnt er als seine wichtigste Karte. Darum leistet er sich Dreistigkeiten in Serie, darum lässt er sich unerträglich viel Zeit, überhaupt Reformvorschläge zu machen, darum gibt er sich so kompromissbereit wie ein Unteroffizier. Die Stimmung im Kreis der Finanzminister schwankt mittlerweile zwischen Empörung und Entsetzen.

Trotzdem ist Varoufakis fast am Ziel: Mit minimalen Zugeständnissen, vagen Versprechungen und gar keinen Strukturreformen entlockt er den EU-Partnern die nächsten Milliarden und beschimpft dabei noch das Helfer-Europa. Vor allem die EU-Superprofis von Kommissionspräsident Juncker über Parlamentspräsident Schulz bis EZB-Präsident Draghi sind ihm willige Helfer seiner griechischen Insolvenzverschleppung. Sie wollen Griechenland um jeden Preis im Eurosystem halten – und der Preis wird immer höher.

Denn Varoufakis hat die EZB schon über den Tisch gezogen und alleine Ela-Kredite (Emergency Liquidity Assistance) der Notenbank von sage und schreibe 89 Milliarden Euro locker gemacht. Die Ela-Kredite waren eigentlich als eine kurzfristige Quelle von Liquidität gedacht, aus der sich Banken für einige Tage gegen Hinterlegung guter Sicherheiten frisches Geld beschaffen könnten.

Aber Griechenland hat mit Draghis Hilfe die Gelder als neuen Mega-Kredittopf umfunktioniert, in den man monatelang tief hineingreifen kann, ohne dass jemand überhaupt hinschaut. Damit finanziert die EZB die Kapitalflucht und große Barabhebungen der Griechen unmittelbar; und mittelbar finanziert sie den Ankauf von kurzlaufenden Staatsanleihen Griechenlands, die sonst keiner kaufen würde als die maroden Banken vor Ort.

Ohne die Ela-Milliarden wäre Griechenland längst kollabiert. So aber bekommt Athen täglich frisches Geld, für das Europas Steuerzahler bürgen, ohne dass irgendein Parlament darüber abgestimmt oder auch diskutiert hätte.

Kommentare zu " What's right?: Europas letzter Trumpf heißt Lagarde"

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  • Europas letzter Trumpf heißt Lagarde"
    HB, Sie verwechseln ständig Europa mit der EU, hat das System oder einen Auftraggeber ?

  • G. Napf
    Da haben Sie Recht
    Dem kann ich mich nur anschließen
    Die Eurozone wird ohnehin kaputt ehen und ich hoffe, bald

  • Wenn Lagarde wirklich der letzte Trumpf Europas ist, dann kann Europa einpacken

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