What's right?
Grüne Spielverderber

Die Grünen stören sich am schwarz-rot-goldenen Patriotismus deutscher Fans. Sie wittern gar „einen Rückfall in Nationalismus” und drucken Aufkleber „Patriotismus? Nein danke!”. Ganz schön engstirnig!
  • 8

Die Deutschland-Fähnchen flattern wieder an Autos und von Balkonen. Fans bemalen sich mit schwarz-rot-goldener Schminke, singen fröhliche Party-Fußballlieder und alle drücken Daumen. Alle - bis auf die Grünen. Die finden diesen patriotischen Fußballsommer ganz schlimm. Die Sprecherin der Grünen Jugend, Theresa Kalmer, mahnt mit grimmiger Sorge: „Ich habe etwas gegen den nationalistischen Hype, der jedes Mal damit einhergeht.“ Schwarz-rot-goldene Flaggen, Perücken, und Außenspiegelüberzieher – Kalmer hält das für „problematisch“.

Auch Felix Banaszak, der männliche Bundessprecherkollege der Jungen Grünen, findet die nationale Fußballfete schlimm wie Hagelsturm: „Wir stellen uns gegen die Normalisierung des Gebrauchs nationaler Symbole“, sagt er mit allem Ernst, so als stünde das schwarz-rot-goldene Monster vor der Tür. Banaszak sieht Übles auf Deutschland zukommen, wenn das mit der guten Laune so weitergehe: „Viele Aussagen und Ereignisse, die im Rahmen der WM geschehen, haben einen klar nationalistischen Charakter. Während der WM und in den Wochen danach steigen nicht nur die Zustimmung zu nationalistischen und rassistischen Positionen, sondern auch die Zahl der rassistisch motivierten Gewalttaten.“

Und weil die Grünen etwas gegen das Böse tun, drucken sie nun einen Aufkleber „Patriotismus? Nein danke!“ Normale Menschen denken bei dem Aufkleber erst einmal an einen Scherz. Doch die Grünen meinen es bitter Ernst. Auf der Parteiwebseite aus Bremen wird die Spielverderberei argumentativ untermauert. Das Fahnenmeer und dass „Leute sich schminken und kleiden in den Nationalfarben Deutschlands“, das sei „ein Rückfall in nationales Denken und nationalistische Denkmuster“.

Während die meisten Deutschen ihrer Mannschaft Glück wünschen, mitfiebern und auf ein Weiterkommen hoffen, haben die Grünen genau davor Angst. Der gefährliche Nationalrausch könne nämlich „weiterwirken“, denn: „Wer vier Wochen lang die Nationalität zur Identifikation nutzt und durch spielerischen Konkurrenzkampf“ ein Freund-Feind-Schema auf dieser Grundlage entwickelt, legt dieses nicht einfach mit dem Finalspiel ab“.
Die Autoren des grünen Mahntextes erkennen gnädigerweise, „nicht jede Person, die zur WM oder EM eine deutsche Fahne zeigt“ sei „ein nationalistischer Schläger“. Immerhin! Wer hätte das gedacht? Aber es liege doch eine Gefahr darin, „dass nationalistische Denkmuster durch jede weitere Meisterschaft, in der das Fahnenmeer Normalität ist, gestärkt und (weiter) in die Gesellschaft hineingetragen werden.”

Wer also nach grünem Denken ein guter Demokrat ist, der will gar nicht, dass Deutschland Weltmeister wird., Die Grünen stören sich m schwarz-rot-goldenen Patriotismus deutscher Fans. Sie wittern gar “einen Rückfall in Nationalismus” und drucken Aufkleber “Patriotismus? Nein danke!”. Ganz schön engstirnig!. Denn: „Die Nation, um die es dabei geht, ist nicht harmlos, und wirkt beim Feiern nicht nur harmlos“.

Man könnte über so viel Engstirnigkeit lachen und – wie die FAZ – ironisch vermuten, dass die Grünen die Deutschlandfahnen nur deshalb nicht mögen, weil „die Farbkombination Schwarz, Rot und Gelb aus Sicht der Grünen im politischen Tuschkasten den Nachteil hat, dass sie ein längst vergangenes (west-)deutsches Parteiensystem beschreibt, in dem ihnen die eigene Farbe fehlt.“ Man könnte sie alleine schmollen lassen in ihren national-neurotischen Verklemmungen und Multikulti-Sehnsüchten. Man könnte sich aufregen über eine Partei, die inzwischen so sehr keifende Gouvernante geworden ist, dass sie einem vom Grillen übers Autofahren bis zum Fußballfeiern am liebsten alles verbieten will. Man könnte sich darüber freuen, dass trotz dieser Kritik der deutsche Fußball-Patriotismus so lässig, weltoffen, fröhlich und einladend ist. Man könnte erkennen, dass Deutschland ein entspannteres, souveränes Verhältnis zur eigenen Identität gewonnen hat. Oder man könnte sich einfach am Fußball freuen, zu dem Fans und ihr Bekenntnis gehören wie das Lachen zum Sommer. Man könnte also den Grünen zurufen: Feiert einfach mit, Schwarz-rot-gold erträgt auch Euch Spielverderber.

Wolfram Weimer war Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, des Politik-Magazins Cicero und des Focus. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Kurz und schmerzhaft: alle Kolumnen

Kolumnenkabinet
Wolfram Weimer
Wolfram Weimer
Handelsblatt / Gastautor

Kommentare zu " What's right?: Grüne Spielverderber"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich bin Patriot.
    Die Pflicht eines Patriot hat der US-Gründervater Thomas Paine so definiert: "Die Pflicht eines Patrioten ist es, das Volk vor seiner Regierung zu beschützen."

    Na, das war ja selten so aktuell wie heute.

    Noch ein Zitat eines deutschen Bundespräsidenten, aus der Zeit als Präsidenten auch noch Solche waren:

    „Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt. Ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet.“ -Johannes Rau

    Also was soll daran schlecht sein?

  • Ströbele von den Grünen hat in Kreuzberg wie immer dazu aufgerufen, alle Wahlstände von CDU, FPD und vor allem AfD zu behindern und Wahlveranstaltungen (zB. auf dem Alexanderplatz usw.) dieser Parteien zu stören. Das wäre "erste Bürgerpflicht". Mit großen Erfolg...

    Wahlstände von den genannten Parteien in Kreuzberg werden seit Jahren von der Polizei geschützt (kostet Unsummen von Steuergeld...), wobei sich immer wieder zeigt, dass sich die Polizisten dann auch zurückziehen und zum Abbauen der Stände raten, da sie auf Dauer keinen Schutz bieten können und selbst verletzt werden (Flaschenwürfe etc.). Nennt sich dann "De-Eskalations-Politik" der Berliner Polizei...

    Wenn Ströbele dazu aufrufen darf, darf ich dann hier dazu aufrufen, den Ströbele mal von seinem Fahrrad zu hauen, mit dem er zum Bundestag radelt? Oder ist das dann "politisch inkorrekt"?

  • “Patriotismus? Nein danke!”

    „Grüne Sekte? Nein danke!“

    Wie hätte es die grüne Sekte denn gerne?
    Das wir jeden „ungebetenen Gast“ an den Grenzen mit einem Meer von Fahnen aus deren Herkunftsland begrüßen und in die soziale Hängematte begleiten?
    Ähnliches hat unser „Gaukler“ auch schon „aufgerufen“, eine Willkommenskultur, dann ist für uns dann kein Platz mehr für eigenen „Patriotismus“ und auch nicht wenn es sich nur um Fußball handelt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%