What's right?
Hoch lebe Lettland!

Lettland führt den Euro ein. Dabei steckte das Land vor fünf Jahren in einer Krise wie Griechenland. Heute ist es Wachstumseuropameister. Liberale Reformen zeigen ganz Europa, wie man vorankommen könnte.
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Lettland ist in Europa so etwas wie das Anti-Griechenland. Seit Jahren verzeichnen die Letten das schnellste Wirtschaftswachstum, die sparsamste Politik, die dynamischste und offenste Volkswirtschaft. Der Lohn: Als 18. EU-Mitgliedsstaat hat das Land den Euro eingeführt, und zu Neujahr zog ein gut gelaunter Ministerpräsident Valdis Dombrovskis in Riga als erster Euro-Scheine aus einem Bankautomaten.

Dabei war Lettland vor fünf Jahren genau wie Griechenland am Abgrund. In den Krisenjahren 2008 und 2009 schrumpfte die Wirtschaft um mehr als ein Fünftel, die Löhne gingen um ein Drittel zurück, die Arbeitslosigkeit verdreifachte sich, Banken kollabierten, der Staat schien bankrott. "Die Situation war schlimmer als heute in Griechenland, Portugal oder Zypern", sagt der lettische Finanzminister Andris Vilks. "Wir steckten richtig tief drin im Schlamassel."

Doch anders als die Südeuropäer, die sich nur halbherzig reformieren, widerwillig sparen und sich lieber mit fremden Geldern durchmogeln, hat sich Lettland für eine selbstbewusste Rosskur entschieden. Die Regierung in Riga beschloss Austeritätsmaßnahmen, wie sie in Athen oder Lissabon niemand auch nur zu denken wagt: Der Staatshaushalt wurde ausgekehrt, der öffentliche Dienst dabei nahezu halbiert, der Arbeitsmarkt konsequent liberalisiert. Die Löhne der wenigen verbliebenen Staatsdiener wurden in mehreren Runden um bis zu 40 Prozent gekürzt. Schulen und Krankenhäuser schlossen, die Mehrwertsteuer wurde von 18 auf 21 Prozent heraufgesetzt.

Nur die Kürzung der ohnehin schmalen Renten stoppte das lettische Verfassungsgericht. Insgesamt aber strich die Regierung Staatsausgaben im Umfang von mehr als 15 Prozent der Wirtschaftsleistung – ein schmerzhafter Prozess, der freilich das ganze Land schlagartig gesunden ließ. Denn nun wächst die lettische Wirtschaft wieder solide und kräftig.

Kommentare zu " What's right?: Hoch lebe Lettland!"

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  • Danke, für diesen Beitrag.
    Es gibt also noch moderate Kommentare, die aber dennoch deutlich auf den Punkt kommen.
    Es sei hier nachdrücklich gesagt: Herrn Weimers Artikel sind kein Ruhmesblatt für eine seriöse Zeitung.

  • Leider habe Sie in diesem Beitrag eine populistische Stellung bezogen (aus wirtschaftlicher Sicht).
    Ich würde fast sagen mit dem Kopf gegen die Wand.

    Sie haben die Lettische Regierung gelobt für ihr konsequentes handeln und dabei ganz vergessen zu erwähnen wie bitter die lettische Bevölkerung von diesen radikalen Maßnahmen getroffen wurde. Ein paar Zahlen hier, ein paar Zahlen dort sind in Anbetracht der hohen Armut kaum ausreichend. Zumal hier jede Kürzung gerade zu gefeiert wurde.

    Die Sparmaßnahmen waren sozialpolitisch viel zu radikal und konnten in diesem Ausmaß nur in einem sehr kleinen Land wie Lettland überhaupt durchgesetzt werden. Und dieses Land jetzt als Beispiel für Frankreich anzuführen (bzw. bei dieser Hetzkampagne mitzumachen) ist unpassend.

    Die Saloppe Sprache die Sie an den Tag gelegt haben erinnert mich wieder daran, dass es Menschen gibt die einfach einen Job haben weil es ihnen spaß macht und andere einen Job haben damit es etwas zu essen gibt und im Winter die Heizung läuft. Gerade von einer seriösen Redaktion erwarte ich in dieser Hinsicht mehr soziales Einfühlungsvermögen. Auch von einer Wirtschaftszeitung!

  • Der Lat geht,
    der neue Rubel kommt. Die UDSSR heißt nun EU (EUDSSR) Generalsekretär des Zentralkomitees gibt es auch. Der heißt gerade José Manuel Barroso und nennt sich Kommissionspräsident. Zurück in die Zukunft. Aus der Traum von Freiheit und Unabhängigkeit. Schade, ich war erst in Lettland, ihr ward so zuversichtlich, mutig, entschlossen. Nun wieder verkauft und verraten. Das Okkupationsmuseum könnt ihr dann in ein / zwei Generationen erweitern 2014-????.

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