What's right?
Lasst die Griechen aus dem Euro

Showdown im Milliardenpoker um die Griechenlandhilfen. Die Griechen wollen gegenüber ihren EU-Partnern nicht nachgeben. Doch sie haben sich verzockt. Es wird Zeit, ihnen zu geben, was sie wollen: ihre Unabhängigkeit.
  • 77

In den ersten Tagen der neuen Regierung Griechenlands wirkte es so, als führte sie einen ungestümen „Elefanten-Sirtaki“ (FAZ) im europäischen Porzellanladen auf – mit allerlei Linksdrehungen und Revoluzzer-Getöse. Nachdem die Vitrinen der Troika, der Ernsthaftigkeit und des Vertrauens nun schwer beschädigt sind, werden die Schritte Athens plötzlich geschmeidiger, fast katzenhaft.

Jetzt versuchen Tsipras & Co., die anderen Elefanten zum Stolpern zu bringen. Der Bittbrief um eine Verlängerung der Notkredite hat vor allem eine Absicht: Er soll die europäischen Kontrahenten, die nach dem Elefanten-Sirtaki geschlossen gegen Athen in Position gegangen sind, wieder spalten. Tsipras will vor allem Deutschland und dessen Strategie isolieren, eine europäische Stabilitätsordnung zu schaffen.

Der Bettelbrief in letzter Sekunde soll Europa unter zeitlichen Druck setzen, rasch frische Milliarden herbeizuschaffen, ohne dass es dafür irgendeine Gegenleistung gibt.

Geschickt verspricht der Brief einige, minimale Zugeständnisse. Man werde mit europäischen und internationalen Partnern zusammenarbeiten (na, wie gnädig!) und die „Institutionen“ (gemeint ist die unverschämt aus Athen verjagte Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds) respektieren (also das Minimum an europäischer Rechtstreue hinnehmen).

Zudem verspricht die Athener Regierung, dass alle neuen Maßnahmen „vollständig finanziert“ sein werden – was niemand ernsthaft glauben kann. Diese (dürftigen) Aussichten haben freilich von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker bis zum deutschen Vizekanzler Sigmar Gabriel die Herzen sofort wieder weich werden lassen. Doch bevor sich eine Allianz der neuen Griechenland-Versteher überhaupt erst bilden konnte, hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble sein Veto rasch verkündet.

Denn er erkannte sofort den neuen Trick von Tsipras: Athen beantragt – weil es neues Geld unkonditioniert haben will – nur eine Verlängerung des Kreditprogramms, nicht aber des Memorandums mit Reformauflagen. Das ist so, als ob ein Alkoholiker während einer laufenden Entziehungskur frischen Alkohol verlangte, aber von der Entziehungskur nichts mehr wissen will.

Bislang aber gab es das eine nur mit dem anderen. Tatsächlich wären – da hat Schäuble völlig Recht – die abermals rasch hingeworfenen Milliarden ohne Gegenleistungen ein fatales Signal. Zumal die sozialistische Regierung Athens bereits dabei ist, allerlei Reformen (von Privatisierungen bis zur Staatsverschlankung) kurzerhand zurückzudrehen. Ja, sogar die eigene Steuerbasis will der griechische Premier Alexis Tsipras verkleinern und verkündet dieser Tage einen großen nationalen Steuererlass für „kleine Leute“.

Kommentare zu " What's right?: Lasst die Griechen aus dem Euro"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist ein Fass ohne Boden, lasst die Griechen aus dem Euro raus.

  • @ Real was Sie reden ist beißender Unfug sie können eine Transferunion innerhalb Deutschlands machen die dient einem Gefüge Audi das Sie Einfluss haben. Eine europäische Transferunion ist aber Unfug weil sie auf die anderen Länder keinerlei Einfluss haben. Europa wie es im Moment existiert ist für eine Währungsunion nicht geeignet weil Die VolkswirtschAften viel zu unterschiedlich sind. Der Versuch die vereinigten Staaten von Europa zu errichten ist realitätsfern und würde versuchen die USA zu kopieren nur käme der Staat Texas nicht im Traum auf die Idee für die Schulden von Kalifornien zu haften und zu Bürgen.

  • Vermutlich ist die haushaltsmäßige und fiskalische Unabhängigkeit gemeint.
    Wahrscheinlich ist das versprochene und anstehende Aufblähen des Staatsapparates gemeint.
    Nur die Finanzierung ist noch nicht in reinen Tüchern. Man arbeitet dran, vermutlich mit Erfolg.

    Schönen Abend noch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%