What's right?
Privatisiert die Bahn!

Die Bahn im Wahn: Der Tarifstreit bei der Bahn entlarvt überholte Strukturen eines vermachteten Staatsmonopolisten. Man sollte die Bahn endlich privatisieren und Deutschland für eine moderne Mobilität öffnen.
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BerlinDer groteske Tarifstreit der Bahn zerrt Deutschland nicht bloß an den Nerven, er kostet inzwischen 400 Millionen – und jede Menge Reputation. Nun soll ein eher schräges rot-rotes Schlichterpaar ran, um das Allerschlimmste zu verhindern.

In Wahrheit wird bloß der nächste Akt im Trauerdauerspiel „Bahn im Wahn“ aufgeführt. Denn es ist mittlerweile wie mit einem pathologischen Fall – die Symptome deuten auf eine schwerere Erkrankung hin. Die Bahn leidet an Machtsklerose und Monopolitis.

Gäbe es im Schienenverkehr einen offenen Markt, moderne, dezentrale Strukturen, Konkurrenz und mehrere Anbieter, dann wären wir den Weselskys dieser Welt nicht so ausgeliefert. Denn deren Macht lebt nur vom Monopolismus.

Ausgerechnet Deutschlands Lebensader der Mobilität zentral-planwirtschaftlich-autoritär zu organisieren und in die Hände politischer Machthändel zu legen, ist irgendetwas zwischen abstrus, fahrlässig und anachronistisch. Das ist in etwa so klug als ob man über staatliche Internetmonopole mit Web-Beamten E-Mails im Land nach Ministeriums-Fahrplan und Gewerkschaftserlaubnis verteilen würde.

Der historische Machtkampf der Bahn-Gewerkschaften ist ein Indiz dafür, dass der Quasi-Monopolist Bahn keine zeitgemäße Organisationsform mehr hat. Er bewegt sich träge, zentralistisch und behördenhaft wie ein sozialistisches Kombinat. Dabei wäre es so einfach, das Unternehmen aus dem organisatorischen Plattenbau der siebziger Jahre endlich ins 21. Jahrhundert zu befördern: mit einer Privatisierung.

Am Beispiel der Lufthansa kann man gut nachvollziehen, wie segensreich so eine Privatisierung wirken kann. Die politische Linke und Gewerkschaften wetterten weiland zwar und sagten Apokalyptisches (vom sozialen Kahlschlag über Preiserhöhungen bis zu weniger Sicherheit, ja den unausweichlichen Ruin) voraus.

In Wahrheit passierte das genaue Gegenteil. Die Lufthansa konnte nur dank ihrer Privatisierung zu einer der erfolgreichsten und besten Airlines der Welt aufsteigen. Die Qualität des Fliegens ist für die Menschen gestiegen, das Angebot hat sich vervielfacht, die Preise sind durch Wettbewerb gesunken – selbst die Sicherheits-Standards sind seit der Privatisierung noch einmal verbessert worden.

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Japan Railways könnte Vorbild sein

Kommentare zu " What's right?: Privatisiert die Bahn!"

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  • die bahn als staatsunternehmen ist entstanden
    weil
    die privaten es eben nicht schafften!
    ein zwei drei hauptstrecken ja
    da ist dann auch der profit drin
    wenn es aber dann um stichlinien geht die eine kleinere region versorgen sollen und die hauptlinien rentabel machen, da versagt das privatkapital (da gibt es dann den ruf nach dem steuerzahler)
    die grosse USA kann darin uns als vorbild wirken
    wollen wir das?
    private sind nur zu maximal mittelfristigen entwicklungen fähig,
    weil irgendwann rendite drin sein soll drin sein muss
    es geht natürlich auch, dass man sich die rendite im kaufvertrag von steuerzahler garantieren lässt (Berliner Wasserbetriebe) also ohne das irgend soetwas wie unternehmerisches geschick nötig wäre
    in übrigen sollten die bisherigen manager die bahn auf privatisierungskurs bringen
    die privatwirtschaftlichen allheilmittel zur kostensenkung (koste es was es wolle)
    haben die bahn und ihre anlagen schrottreif gemacht und zu nochmehr stilllegungen geführt
    wenn man mal von 2 3 hauptbahnhöfen als EGO shooter einzelner bahnchefs absieht
    die private zulieferindustrie ist seit langem ebenfalls nicht in der lage vernünftiges rollendes material fristgerecht zu liefern die pannenserien sind widerlich
    (ich vermute dahinter sabotage islamischer ölmultis? und russischer oligarchen also auch private investoren, denn wir könnten nicht einmal mehr eine lumpige kiste munition dahinbringen wo unser jungs die feinde europäischer lebensart abwehren sollten)
    in der privaten flugzeugindustrie (airbus, Boing) ist das wohl genau so
    und wenn es um rüstungsprojekte geht,
    da ist der private rüstungsbetrieb zu nichts fähig, zu nichts zu gebrauchen aber wenn es dann um den weiterverkauf von steuerzahler finanzierter entwicklungen und projekte/geräte geht dann sind sie ganz gross
    wenn dann noch geziehlte indiskretionen (wie bei der EZB) am mittagstisch von irgenndwelchen internationalistischen managern verbreitet werden
    da ist dann das europa gleich im ass

  • Das Service-Angebot und auch die Flotte der Bahn zu privatiesieren bzw. das Schienennetz allgemein für den Wettbewerb zu öffnen, das wäre bestimmt sehr sinnvoll.

    Die Infrastruktur selbst (Gleise, Bahnhöfe, etc.) darf aber nicht in private Hand wandern. Diese gehört dem Volk und das muß auch so bleiben. Wer das nicht so sieht, der schaue sich mal an, was in Neuseeland passiert ist.

  • @Andrea Merker

    Zwei Beispiele für die "Glanztaten" einer privatisierten Deutschen Bahn:

    1) 2008 - zur Zeit der Konjunkturkrise - wurden wartungsbedürftige Loks z-gestellt d.h. weder gewartet noch repariert, man brauchte sie ja momentan nicht , da konjunturbedingt nicht so viele Waren zu transportieren waren.

    Als die Konjunktur und damit der Warenverkehr wieder anzog, schaffte es die Bahn nicht mehr, den angestiegenen Güterverkehr zu bewältigen, denn die Loks mußten erst noch wieder betriebsfähig gemacht werden.

    2) Nach der Privatisierung wurden nicht unbedingt benötigte Begegnungsgleise (auf einspurigen Strecken) und Überholungsgleise (auf zweispurigen Strecken) abgebaut um den Wartungsaufwand zu reduzieren. Damit wurde gleichzeitig jedoch die Kapazität der Gleise dauehaft reduziert, denn Züge mußten jetzt auf eingleisigen Strecken im Bahnhof warten bzw. es konnten langsamere Güterzüge nicht mehr von Personenzügen überholt werden.

    Die Begründung für beide Maßnahmen: "Da kann man noch etwas sparen"

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