What's right?
Sozialisten haben Argentinien ruiniert

Die argentinische Regierung schiebt die Schuld der Staatspleite auf „aasgeiernde“ Hedgefonds aus Amerika. Tatsächlich hat sich die sozialistische und korrupte Regierung Kirchner selber in die Krise manövriert.
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Cristina Kirchner schimpft auf „Geierfonds“ (Fondos Buitre), wettert gegen die USA, tobt über den Weltkapitalismus. Sie versteigt sich gar zur Behauptung, Hedgefonds seien wie der Gaza-Krieg: „Das ist auch Gewalt. Die Finanzraketen kosten Leben.“ Dunkle Mächte der Wall Street seien für die Staatspleite Argentiniens verantwortlich. Die schillernde Präsidentin „malwinisiert“ mal wieder ein Problem – so nennen es die frustrierten Argentinier, wenn ihre Präsidentin Sündenböcke für eigene Fehler sucht. Auch bei den Malwinen (also den Falklandinseln) poltert Kirchner seit Jahren gegen Großbritannien, um nationalistische Emotionen zu schüren, anstatt sachlich Probleme zu lösen.

Elf Jahre lang haben die Staatspräsidentin Cristina Kirchner und ihr mittlerweile verstorbener Ehemann Néstor die argentinische Politik dominiert. In dieser Zeit hat das Ehepaar persönlich ein beachtliches Vermögen angehäuft, das Land allerdings rutscht immer weiter in die Krise. Mit einer vulgärsozialistischen Politik überziehen die Kirchners das Land, verstaatlichen willkürlich von Flugzeugherstellern bis zu Rentenfonds, führen Handelsrestriktionen ein und schanzen den linken Parteicliquen Aufträge zu. Inzwischen überzieht ein korruptes Netzwerk das Land und um das zu verbergen, wird eine anti-westliche Ideologie gepflegt, wie es die Links-Despoten in Kuba und Venezuela seit Jahren vormachen.

Kirchner hat sich systematisch von Europa und den USA abgewandt und die Nähe von Hugo Chávez ebenso gesucht wie die des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Dafür wurden Europäer und Amerikaner brüskiert, so etwa als man die gewaltigen Investitionen des spanischen Ölkonzerns Repsol kurzerhand verstaatlichte – das Investitionsklima für westliche Unternehmen wurde regelrecht vergiftet.

Das Entwestlichungskonzept wird wie weiland im Sowjetreich auch propagandistisch ausgelebt. So demontierte man die Kolumbusstatue hinter dem Präsidentenpalast, der „Casa Rosada“, und ersetzte sie durch ein aus Bolivien stammendes Guerillera-Standbild aus dem Unabhängigkeitskampf. Das linksnationalistische Programm führte sogar – George Orwell lässt grüßen – zur Schaffung eines eigenen Ministeriums „zur strategischen Koordinierung des nationalen Denkens“ (Secretaria de Coordinación Estratégica para el Pensamiento Nacional).

Wie in Venezuela werden kritische Medien regierungsamtlich attackiert, und stattdessen ein sozialistischer Heldenkult zelebriert. So lässt die Präsidentin scharenweise Bauwerke und Institution nach ihrem verstorbenen Mann und Vorgänger Néstor Kirchner benennen. Von Busterminals über Schwimmbäder und Sozialeinrichtungen bis zu Fußballplätzen.

Wie immer in sozialistischen Despotien kommt es dabei zu allerlei Grotesken. So darf die Turnhalle in Palpalá nicht einfach nur „Néstor Kirchner“ heißen, sondern „Olympisches Gemeindestadion Präsident Néstor Kirchner“. Ein Journalist der oppositionellen Zeitung Clarín macht sich mittlerweile den Spaß, im Internet unter „Benenne alles nach Nestor“ massenhaft Beispiele zusammenzutragen.

Der Kirchnersozialismus umfasst selbst Staatsunternehmen wie die Fluglinie Aerolineas Argentinas, die nach der Verstaatlichung in der Hand der kirchnerschen Parteijugendclique La Cámpora sind. Mitarbeiter zahlen einen Teil ihres Gehalts in die Parteikasse. Vor Großkundgebungen von Kirchners Parteiformation „Front für den Sieg“ ziehen Parteifunktionäre mit Essensgutscheinen durch die Elendsviertel und sammeln Teilnehmer mit Schulbussen ein. Zugleich durchsetzen Korruption und Klientelismus den sozialistischen Staatsapparat. So wird dem Vizepräsidenten vorgeworfen, sich mal eben persönlich an der Verstaatlichung einer Geldscheindruckerei zu bereichern.

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Immer dramatischer bröckelt die rote Fassade

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  • Wahrnehumungsstörung? Nicht die "Sozialisten" haben Argentinien ruiniert, sondern die Neoliberalen Kapitalisten. Wie verkommen der Kapitalismus schon geworden ist, zeigen die Kommentare der westlichen Medien. Wie sagte man schon sehr früh: " Einen nackten Mann, kann man nicht mehr in die Taschen greifen. Wo nichts mehr ist, hat der Kaiser sein Recht verloren.

    Es scheint mittlerweile so, wenn Gesetze nicht passen werden sie passend gemacht. Ein Imperium der Schande.

  • Argentinien und die Aasgeier auf den Finanzmärkten und in den Redaktionsstuben?

    Was für eine verquere Sichtweise. Wenn man einem Aasgeier" 1600% Rendite zuspricht, statt hier einen Schnitt zu machen, dann wird das eines Tages jedes Land, an den Rand einer Pleite bringen.

    Wenn 93% dem Schuldenschnitt zugestimmt hatten, dann wären hiermit die Minderheit von 7% überstimmt. Was beim privaten und Firmeninsolvenzrecht gilt, sollte gerade auch und besonders für Staaten gelten.

    Im Übrigen die Schreiberlinge, die das richtig finden? Was wäre wohl passiert, wenn man Deutschland einen Schuldenschnitt nachdem Zusammenbruch, (und noch selbst verschuldet)einen Schuldenschnitt verweigert hätte?

    Nachdem ein New Yorker Gericht dem Staat Argentinien in der letzten Woche untersagte, seine Gläubiger zu bedienen, steht Argentinien vor dem technischen Staatsbankrott. Dies geschah alles vor dem Hintergrund, dass einige Hedgefonds (sog. Vulture-Fonds (auf deutsch: Aasgeier-Fonds)) das große Geschäft mit argentinischen Ramschanleihen aus der Zeit vor 2001 witterten und den südamerikanischen Staat durch skurrile Gerichtsurteile in die Knie zwingen wollen. Eigentlich sollte dies doch ein Paradebeispiel für die Auswüchse eines zerstörerischen Finanzkapitalismus sein und dementsprechend kommentiert werden.

    Eigentlich. Ein großer Teil der deutschen Medien schlägt sich jedoch „erwartungsgemäß“ auf Seiten der Aasgeier. Quelle NDS

  • Rene Weiß@ "Wenn ich jemanden einen Kredit leihe"
    Es geht hierbei um den Zinseszins, dieser ist auf Dauer nicht leistbar. Auch Deutschland kann den Zinseszins auf seine Schulden nicht leisten. Die Pleite kommt nur verzögert zu Griechenland und den anderen Staaten. Im Übrigen sind die Privatschulden das Problem.

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