What's right? Stoppt die EEG-Planwirtschaft

Deutschlands Energieversorgung wird immer teurer und unsicherer. Milliardensubventionen sind verzockt. Dem Wirtschaftsstandort droht ein Desaster. Es wird Zeit, die Öko-Planwirtschaft endlich abzuschaffen.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Fünfundzwanzig Jahre nach dem Ende der DDR hat Deutschland sich wieder eine veritable Planwirtschaft zugelegt: Eine Republik der Öko-Stromräte bestimmt festgelegte Planpreise, Solar-Kombinate produzieren Willkürmengen, die Bevölkerung zahlt Zwangsabgaben, Angebot und Nachfrage sind außer Kraft und die Parteipolitik bestimmt Planerfüllungskennziffern. In diesem Ökostrom-Sozialismus bekommt, wer Strom aus erneuerbaren Energien produziert, dafür eine staatlich festgelegte „Energie-Einspeisevergütung“ (schon das Wort könnte aus Ostberlin stammen), die auch noch 20 Jahre garantiert wird. Das hat mit freien Marktpreisen für Strom so viel zu tun wie Erich Honecker mit der Wall Street.

Was einst als „Green Economy“ (grüne Wirtschaft) gefeiert wurde ist längst zum „Red Rip-Off“ (rote Abzocke) mutiert. Und wenn wir beim Öko-Sozialismus nicht aufpassen, dann werden Windkraftspekulanten noch „Helden der Arbeit“, dann führen sie Fünfjahrespläne für Versorgungskontingente ein, dann kämpfen Solarbrigaden fürs Sonnenzeitalter, EON wird ein VEB, Intershops bieten die Bückware Atomstrom an, aus Frankreich bekommen wir Westpakete von bezahlbarer Energie, und Jürgen Trittin wird mit dem großen vaterländischen Orden für Ökosozialismus geehrt und fortan „Genosse Generator“ gelobpreist.

Schon jetzt führen die Ökostrom-Garantiepreise zu allerlei Planwirtschafts-Absurditäten, die sich wie ein Déjà-vu der Ostblock-Ökonomie anfühlen:

Erstens wird das Vernunft-Prinzip außer Kraft gesetzt, wonach sich die Produktion nach dem Verbrauch zu richten habe. Heute bestimmt nicht mehr die Nachfrage das Angebot, sondern die Subventionsmilliarde. So wird produziert, was Wind und Sonne hergeben, und nicht was die Menschen brauchen. Also schaltet man rentable und saubere Gaskraftwerke schon mal ab. Und wenn ganz viel Wind hereinkommt, müssen selbst Windparks vom Netz genommen werden - und werden trotzdem vom Verbraucher bezahlt.

Zweitens entstehen unrentable Überkapazitäten. Inzwischen sind im eher schattigen Deutschland 1,2 Millionen Photovoltaikanlagen installiert, ungefähr 40 Prozent aller Anlagen der Welt. Mit rund 23.000 Windrädern sind wir mit China und den USA ebenfalls Spitzenreiter. Dazu kommen 7500 Biogasanlagen. In keinem anderen Land der Welt stehen mehr.

Ein Slalomlauf durch verspargelte und verspiegelte Natur
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  • Grundlage der DDR-Panwirtschaft waren irre Kranke, welche das Sagen hatten! Die DDR-Panwirtschaft hatte aber auch gar nichts mit feuergefährlicher Unfähigkeit zu tun. Dies zum Thema EEG.

  • Weimer shreibt mir aus der Seele.
    Wir ahben längst Planwirtschaft und die Verostung uneres Landes ist imemr merkbarer.
    Dies hat Henrik M. Broder schon vor einem Jahr geschrieben.
    Aber der dumme deutsche Michl merkt es nicht, noch nicht

  • Nachtrag zu den Kosten des EEG:
    Für 2013 wird der deutsche Verbraucher wohl 28,73 Cent KWh bezahlen, davon gehen 14,32 Cent für den eigentlichen Strom drauf, der Rest sind Steuern und Abgaben: 14,41 Cent/KWh.
    Die Industrie kommt günstiger weg. Für 2013 ist hier ein Preis pro KWh von 14,87 erwartet, davon entfallen 7,61 Cent auf den eigentlichen Strom, 7,26 Cent/ KWh Steuern und Abgaben.
    Der Stromverbrauch in Deutschland liegt bei gut 600 MRD KWh im Jahr. Unterstellt man einen Verbrauch von 4000 KWh bei 40 Millionen Privathaushalten kommt man auf 160 MRD KWh für die Privathaushalten, Also entfällt auf die Industrie ca. 440 MRD KWh.
    Von den planwirtschaftlichen Subventionen entfallen 7,2 MRD Euro auf die Privathaushalte und 6,1 Mrd auf die Industrie, weitere 7,1 Mio auf Gewerbe, Handel, öffentliche Einrichtungen und Landwirtschaft. Es ist also nicht so, dass die Privaten direkt 90% der Belastungen zahlen. Da die Nicht-Privaten allerdings wieder die Kosten auf die Endproduktpreise aufschlagen, ist es dann wohlindirekt so.
    Quelle:
    https://www.bdew.de/internet.nsf/id/05B6EBC2BF77350DC1257AD700582730/$file/130527_BDEW_Strompreisanalyse_Mai%202013_presse.pdf

    Weitere Nebenwirkung des EEG, siehe Link:
    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/15410-eeg-fuehrt-staedte-in-die-katastrophe

  • Hallo rechtslinks...
    und genau dieses Chaos ist dem planwirtschaftlichen Ansatz geschuldet.
    Kein Markt, kein Wettbewerb. thats it.
    Und am Ende wird die ganze Chose auf die Einkommensteuer umgelegt und dann sind die Selbstversorger auch wieder dabei! Es ist halt Umverteilung angesagt.

  • Ergänzend vielleicht noch die Kalkulation der Energiebranche seit der Privatisierung:
    Deutschland braucht etwa 3.800 Mrd. Kilowattstunden an Primärenergie (Stand: 2011). Die Energieindustrie weiß, dass sie nur etwa 10% davon nutzen kann, um ihre Kosten zu decken und den angepeilten Gewinn zu erwirtschaften; denn der Rest geht in die Industrie. Also müssen die dummen Zahlschafe, die das Pech haben, zu denen zu gehören die diese 10% beziehen (nämlich Privathaushalte und kleinere Gewerbebetriebe) die übrigen 90% Strom eben mitfinanzieren. Ob das nun direkt über den Strompreis oder indirekt über steuerfinanzierte Subventionen läuft, ist im Endergebnis egal.

  • Hallo Herr Feiden,

    die Stromspeicher gibt es aus genau einem Grunde noch nicht: Weil Investitionen in diesem Bereich für die Industrie nicht lohnen.
    Warum lohnt sich das für die Industrie nicht? Die Speicher könnten doch praktisch zum Nulltarif (siehe Preise an der Strombörse...) aufgefüllt werden?

    Ganz einfach: Weil die Industrie eben nicht, wie Sie oder ich, ca. 24 Cent/KWh zahlt, sondern, subventioniert durch die "Normalverbraucher", eben fast nichts bis nichts. Strom ist aber ebenso Kostenfaktor für eine Produktion wie Material, Personal oder eine entsprechende Betriebsimmobilie. Warum wird dieser Kostenfaktor also nicht einfach in die Kalkulation mit eingerechnet? Weil es eben für die Industrie keinen echten Kostenfaktor darstellt, und dafür ist die Politik verantwortlich.
    Wäre die Industrie gewungen, sich nach preiswerter Energie unzusehen, ich bin sicher, plötzlich gäbe es verfügbare Speicher deren Entstehung uns in Staunen versetzen würde.
    Etwa 90% unseres Primärenergieverbrauchs geht in die Industrie. Für die Kosten der Energiewende jedoch soll zu 90% der private Endverbraucher und der kleine Gewerbetreibende aufkommen. Das hat dazu geführt, das sich inzwischen für einen Privathaushalt wie den meinen die Kosten für die Anschaffung einer Photovoltaik in weniger als 10 Jahren komplett amortisiert haben. Wissen Sie noch, was vor 10 Jahren Benzin kostete? Mit dem Strom wird es nicht anders laufen...
    Die, die von der Energiewende am Ende am meisten profitieren werden, sind politisch gewollt von den Kosten für die Investitionen ausgenommen. Wenn ich nur daran denke, könnte ich mich aufregen. So bleibt mir nur die Alternative, mich aus diesem Spiel auszuklinken.
    Erschwerend kommt dann ja noch die erfolgreiche Lobbyarbeit der Energiebranche dazu: Warum werden Großprojekte wie Windparks in der Nordsee, die nichtmal ans Netz können, stärker gefördert, die Förderung für die kleine Anlage auf dem Dach des Einfamilienhauses aber zurückgefahren?
    ;-)

  • Hallo Sonnenschein, beachten Sie bitte die Nettiquette.
    Wenn es solche Speicher gibt, warum sind sie denn dann nicht schon längst gebaut? Wenns den Ökologen doch ums Klima ging, müssten die längst da sein. Sind sie aber nicht. Komisch. Wenn dioe Speicher aber nicht da sind, dann geht's doch wohl nicht ums Klima.
    So sehe ich das. Und es sind mir auch keine Baupläne bekannt.

  • Das EEG gehört sofort eingestampft, es bewirkt die größte Geldumverteilung vom kleinen Bürger zu den gut betuchten Grünen ( Ärzte , Rechtsanwälte, Beamte, Politiker)mit einer Laufzeit von 20 Jahren!

  • Zitat: "Kernenergieabsatz "

    Dieser Absatz interessierte mich nun überhaupt nicht, da ich Kernenergie für so passé halte, wie Dampflokomotiven.

    Mich interessierte mehr die beschriebene Variante eines Pumpspeicherkraftwerkes und die Aussage über die erforderliche Speicherkapazität, wenn wir unseren Strombedarf zu 100% aus fluktuierenden erneuerbaren Quellen decken. Nach der Dissertation von Dr. Popp sind es ca. 6 Tage.

    Hier können Sie nachlesen, wie er sich bemüht, gegen die ganzen Vorwürfen, Beschimpfungen, Unterstellungen und zum großen Teil hanebüchenen Kritiken vernünftig zu argumentieren. Den Aufwand hätte er sich sparen können; er hat sich nur abgearbeitet.

    http://www.eike-klima-energie.eu/climategate-anzeige/erneuerbare-speicherprobleme-geloest-ist-der-ringwallspeicher-eine-neue-intelligente-form-der-stromspeicherung/

    Für objektive Leser ist es allerdings interessant zu sehen, wie die Energiewendeskeptiker mit immer gleichen sinnleeren Worthülsen kommen und selbst einfachste Richtigstellungen nicht akzeptieren wollen. Die Diskussion auf EIKE ist 3 Jahre alt, könnte aber exakt heute so geführt werden.

    Was soll man zu solchen Energiewendeskeptikern noch sagen? Dumm geboren und nicht bereit, etwas dazu zu lernen? Ich bin da hilflos.

  • Es sollte mal untersucht werden ob irgendeine politische Partei mehr Umweltzertörung und Tierquälerei auf dem Gewissen hat als die Grünen mit ihren Windrädern. Vermutlich sind die Grünen Spitzenreiter seit Jahrzehnten.
    Der Solarstromerzeugung sollte man eine Chance geben,aber bitte im Gleichklang mit der Entwicklung naturfreundlicher Speichertechnologien.

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