What's right?
Verbietet doch das Atmen!

Die Grünen-Chefin fordert ein totales Alkoholverbot für Verkehrsteilnehmer. Sie sollen nicht einmal mehr an der Weißweinschorle nippen oder Hustensaft nehmen dürfen. Die Verbotspartei ist wieder da.
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Offenbar haben die Grünen Spaß am masochistischen Experiment. Immer wenn Wahlkämpfe in die Entscheidungsphase kommen, dann schärft die Partei ihre Gouvernantenrolle und fordert ein besonders unpopuläres Verbot. Zur Europawahl machen die Grünen den Alkohol zum Thema. Die Parteivorsitzende Simone Peter fordert ein rigoroses Alkoholverbot. Von Autofahrern bis Radlern sollten alle einer radikalen Nullpromille-Grenze unterworfen werden. Selbst Hustensaft wäre damit hinterm Steuer verboten.

Offenbar stört die Grünen die Kulinarik der Deutschen, denn beim letzten Bundestagswahlkampf wollten sie den Fleischkonsum und das Grillverhalten mit einem „Veggie-Day“ prohibitiv regeln. Seither haben die Grünen den Ruf der Verbotspartei.

Das miserable Wahlergebnis führte in der Partei freilich zu einer Debatte, dass man mit Steuerknuten, Ökoverboten und Speiserichtlinien die Herzen der Deutschen auf Dauer verliert. Also üben sich einige Grüne mittlerweile in liberalen Gesten. Man sei nach dem Debakel der FDP nun sogar der Gralsverwalter des Liberalismus. Klingt gut. Ist aber so weit entfernt von der grünen Realität wie die Kunst vom Kasernenhof. Denn der Vorstoß zum Verbot der Weinschorlen ist nur logische Ausgeburt einer Geisteshaltung, die die Republik am liebsten in den grün-politisch-korrekten Super-Nanny-Staat verwandeln will. Freiheit wirkt unter diesen politischen Kategorien wie eine vom Aussterben bedrohte Tierart.
Ob Mindestlöhne, Mietpreise oder Managergehälter – die Bevormundung der Politik nimmt ohnedies weiträumig zu. Vom Glühbirnenbefehl über die Mülltrennung bis zum Rauchverbot reicht das Repertoire der Tugendrepublik. Die Grünen sind daran beileibe nicht allein schuld – aber ihre politische Grundlogik hat Schule gemacht und die heißt, Freiheiten opfern für den Konformismus des Guten.

Kommentare zu " What's right?: Verbietet doch das Atmen!"

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  • "Die neuen Faschisten werden nicht sagen 'Ich bin der Faschismus!', sie werden sagen 'Ich bin der Antifaschismus!"

    Ignazio Silone (ital. Sozialist und Schriftsteller

  • Man sei nach dem Debakel der FDP nun sogar der Gralsverwalter des Liberalismus.
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    Nein, herrlich ist das, was die Grünlichen so alles emittieren mit Sicherheit nicht. Da kann man nur hoffen, dass sie mit diesem unreflektierten Ansinnen mal wieder vom Souverän abgestraft werden - bis sie sich dann selber auf alle Zeiten desavouiert haben, wie damals die Jakobiner in Paris, die ihre wohlverdiente Kopflosigkeit ertragen mussten.

    Gralsverwalter des Liberalismus? Mein Gott, wie lächerlich!

  • verbietet doch die arbeit gleich mit, dann hat das ganze politikerelend ein recht jähes ende. erst dann und erst dann werden diese günstlinge dieses systems erkennen, dass sie von denen leben und wohlversorgt werden, die sie permanent gängeln wollen.

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