What's right?
Weniger Herz, mehr Verstand

Der Flüchtlingszustrom weitet sich zur Völkerwanderung aus. Das Leid und die Konflikte vervielfachen sich. Die naive Politik der offenen Tür ist gescheitert. Es ist an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen.
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Sie sterben in Lastwagen, und sie sterben in Booten. Doch ihre mörderischen Schlepper scheffeln Millionen und betreiben ein boomendes Blutgeschäft des industriellen Menschenhandels. Sie sind organisiert in Banden und islamistischen Terrorzellen, in der Türkei vom Geheimdienst geduldet, in Libyen vom Islamischen Staat gesteuert. Doch Europa bekämpft sie nicht. Europa ist lieber ihr Handlanger. Wenn etwa die Bundesmarine im Mittelmeer von der Schlepper-Industrie per Telefonanruf direkt die Flüchtlinge übernimmt, dann schafft sie einen offenen Markt für das Böse, obwohl sie eigentlich das Gute tun will. Dieses tragische Motiv von „gut gemeint, aber schlecht gemacht“ prägt zusehends die gesamte Flüchtlingsfrage.

Die Flüchtlingspolitik kommt an einen bitteren Wendepunkt. Bisher glaubte Deutschland, mit einer naiven Politik der offenen Tore auf der guten Seite der Geschichte zu stehen. „Willkommenskultur“ fühlte sich gut an, das totale Asylrecht war wie ein Freibrief für gutes Gewissen, die massenhafte Hilfsbereitschaft wurde zum moralischen Sommermärchen unserer Nation. Nun aber stürmt der Herbst der Realität heran. Denn der Flüchtlingsstrom mutiert zur historischen Völkerwanderung, die Konflikte und Katastrophen häufen sich, und das eigene europäische Haus gerät zusehends aus den Fugen. Bloß auf ostdeutsche Neonazis und EU-Egoismus zu schimpfen, hilft da nicht weiter. Das Problem ist mittlerweile so groß, dass es realpolitisch und nicht rhetorisch gelöst werden muss.

So weisen die Staaten des Balkans immer dringlicher darauf hin, dass Deutschland den Asylsuchenden so hohe Vergünstigungen gewähre, dass sie normale Arbeitseinkommen des Balkans überstiegen, also weite Teile der dortigen Arbeitsbevölkerung schlichtweg abgeworben würden. Deutschland meint es gut, doch Deutschland schadet damit dem Balkan. Auch die „Rettungsaktionen“ an den Außengrenzen der EU scheinen humanitär geboten. In Wahrheit erzeugen sie erst den Massenmarkt für die Schlepperindustrie. Mit jedem „geretteten“ Flüchtling werden zehn neue auf noch gefährlichere Reisen und in die Fänge von skrupellosen Schleppern gelockt.

Indem das deutsche Asylrecht wahllos und massenhaft angewandt wird, zerstört es sich selbst. Man wird den wahrhaft politisch Verfolgten nicht mehr helfen können, wenn man glaubt, jedem, der nach einem wirtschaftlich besseren Leben strebt, blind das Schutzrecht mitsamt seiner großzügigen Lebenshilfen gewähren zu müssen. Es ist eben so, dass ein Asylbewerber in Deutschland besser lebt als Milliarden andere Menschen auf der Welt. Man kann aber unmöglich die Realität „Asylbewerber in Deutschland“ zum Lebensziel von Milliarden werden lassen und die Grenzen öffnen.

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Zeit für unangenehme Wahrheiten

Kommentare zu " What's right?: Weniger Herz, mehr Verstand"

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  • Wenn man als normaler Bürger vor 3 Monaten das Wort Völkerwanderung in den Mund genommen hat, weil man sich unwohl fühlte mit "Willkommenskultur" und ähnlichen Floskeln in Verbindung mit der Flüchtlingsfrage, wurde als Rassist und Nazi tituliert.
    Ein Einwanderungsgesetz darf nicht als falsches Willkommenssignal an die vielen verstanden werden, die man nicht einladen kann, ohne die eigene Gesellschaft, das eigene Volk ( ja, das gibt es auch noch ) zu gefährden. Wir sind offen, aber nicht für alles und jeden, sonst wird diese BRD spätestens 2020 nicht mehr regierbar sein.

  • Zur unangenehmen Wahrheit gehoert auch, dass Europa und Deutschland mit seiner Wirtschaftspolitik und seinen Waffenlieferungen diese den Fluechtlingsstrom ausloesenden Konflikte befeuert.
    Ferner wird das deutsche Asylrecht wahrlich nicht wahllos und massenhaft angewandt. Fast alle Asylsuchenden aus den Balkanlaender werden nicht anerkannt.
    Mit manchen Ihrer Statements bin ich durchaus einverstanden aber andere wie die Einstellung humanitaerer Hilfe an den Aussengrenzen der EU (z.Bsp Mittelmeer) oder die Bevorzugung christlicher Asylanten gegenueber Muslimen erscheinen mir nicht wertkonservativ sondern eher aus der Kiste der geistigen Brandstifter zu stammen.

  • Sehr geehrter Herr Weimer,

    haben Sie herzlichen Dank für Ihren kritischen Beitrag, der den Finger wirklich in die Wunde legt und nicht alles durch die rosarote Brille betrachtet, sondern Fragen an unsere Verantwortlichen aus Politik und Medien aufwirft, die endlich ehrlich beantwortet werden müssen.

    Wir wünschen uns mehr von diesen kritisch-sachlichen Stimmen in der Debatte - insofern auch Kompliment an das Handelsblatt für die Veröffentlichung dieses Kommentars - das hätten wir gar nicht geglaubt! Weiter so!

    Dr. Christian Hubatsch und Familie

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