What's right?
Windräder sind Umweltzerstörung

In Deutschland sind 2014 mehr Windräder aufgestellt worden als jemals zuvor. Es ist die größte Naturzerstörung der deutschen Geschichte, denn weite Teile der Landschaft sind verspargelt. Wo bleibt das grüne Gewissen?
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An jedem einzelnen Tag werden in Deutschland derzeit vier bis fünf neue Windräder aufgebaut. Im vergangenen Jahr waren es genau 1766 Riesen- und Megaspargel. Damit stehen nun insgesamt 24.867 Windenergieanlagen in der deutschen Landschaft. Der Lobby-Verband der Windindustrie frohlockt über den Boom.

In der Branche herrscht absolute Goldgräberstimmung. Dank der Extrem-Subventionen (22 Milliarden Euro EEG-Gesamtumlage im Jahr) verdienen die Öko-Energitiker sich die Konten voll – und die Windkraftindustrie ganz besonders. Das Wachstum im Zubau gewinnt sogar noch an Dynamik – 4750 Megawatt sind 2014 neu installiert worden, das ist ein sagenhaftes Plus von 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und der Verband fühlt sich weiter im Aufwind: „Auch für 2015 erwarten wir in Deutschland einen starken Zubau auf einem Niveau von 3.500 bis 4.000 Megawatt netto.“

Die ordnungspolitische Diskussion um den wirtschaftliche Unsinn dieses Subventionsspektakels ist im vollen Gang. Die Politik versucht die überschießende Geldkanone mit allerlei Reförmchen und Degressionen irgendwie zu bändigen, und zugleich die Windstrom-Überkapazitäten mit umstrittenen Stromtrassen nach Süddeutschland zu schaffen - und wird doch konventionelle Kraftwerke teuer vorhalten müssen, weil eben nicht immer Wind weht.

Inzwischen laufen sogar Gewerkschaften Sturm gegen die aus dem Ruder laufende Energiewende. Michael Vassiliadis, Chef der Energie- und Bergbaugewerkschaft IGBCE, mahnt dringend ein Ende der Windradbauwut an. Schon heute reiche die rechnerische Leistung der installierten Wind-, Sonne- und Biomassekraftwerke aus, um theoretisch den gesamten Strombedarf zu decken – aber wegen des Wetters eben wirklich nur theoretisch.

„Wir subventionieren Anlagen ohne Rücksicht auf Bedarf und Netze“, kritisiert Vassiliadis mit Blick auf die durch das EEG garantierten Abnahmepreise für Strom aus Windkraft- und Solaranlagen. Das sei „einfach unfassbar teuer“, und die hohen Stromkosten in Deutschland ein langfristig gefährlicher Wettbewerbsnachteil, nicht nur für die chemische Industrie.

Doch jenseits der energiepolitischen Debatten leidet das Land bereits unter einem handfesten Kollateralschaden: Deutschlands schöne Landschaft wird mit Windrädern zugestellt, zerschandelt, zerstört. Die weiten Weiten Norddeutschlands sind zu blinkenden Windfarmen mutiert, ganze Dörfer werden von Stahltürmen umzingelt, sanfte Landschaftsprofile und Hügelketten sind zerschnitten und zu Trägerlafetten von Windrotoren degradiert.

Es vollzieht sich die größte Naturzerstörung der deutschen Geschichte. Unser Landschaftsbild verliert ihr Antlitz und ihre Geborgenheit. Wie gierige Riesenkraken reißen sie sich die letzten Haine und Lichtungen und Höhen, auf dass über keinen Wipfeln mehr Ruhe sei vor dem Rotor-Summen. Deutschland hat sich seiner Horizonte beraubt.

Absurderweise ist diese Totalerklärung Deutschlands zum Gewerbegebiet ausgelöst durch einen Naturschutzreflex der grünen Bewegung. Der gute Wille endet in der bösen Tat und die Öko-Revolution frisst ihre Kinder. Der Schriftsteller Wolfgang Büscher mahnt dieser Tage eindringlich in der Welt: „Die Windindustrie verändert Deutschland stärker als alle Industrie davor. Die alten Industriebarone haben einzelne Reviere ruiniert – das Ruhrgebiet, Oberschlesien. Die Windbranche gibt sich damit nicht zufrieden, sie möchte das ganze Land ihrer moralisch galvanisierten Industrie unterwerfen.“ Jeden Tag mit fünf neuen Türmen.

Wolfram Weimer war Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, des Politik-Magazins Cicero und des Focus. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

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Wolfram Weimer
Wolfram Weimer
Handelsblatt / Gastautor

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Bitte einfach unter Google den Namen "Holger Narrog" eingeben und schauen wo er überall was schreibt... Der Sie im bereicht Kernkraft wissenschaftliche Artikel geschrieben haben, gehe ich davon aus das sie in diesem Bereich arbeiten. Ich würde es entsprechend begrüssen, wenn Sie in Diskussionen kenntlich machen, das Sie für die Atomkraftwerksbetreiber arbeiten. Nur damit klar ist, dass es sich bei Ihren Kommentaren nicht um eine Privatmeinung handelt sondern um Lobbyismus. DANKE!

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