Widersprüchliche Aussagen
Motassadeq wird durch US-Zeugen entlastet

Der Cheplaner der Anschläge vom 11. September versucht, den Terrorverdächtigen Motassadeq zu entlasten. Dem Hamburger Oberlandesgericht liegen Akten aus den USA mit widersprüchlichen Aussagen vor.

HB BERLIN. Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA, Ramzi Binalshibh, versucht offenbar, den Terrorverdächtigen Mounir El Motassadeq gezielt zu entlasten. Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet, ein Vergleich zwischen der dem Hanseatischen Oberlandesgericht aus den USA übermittelten Zusammenfassung von Aussagen Binalshibhs und früheren Einlassungen ergebe zahlreiche Widersprüche.

Der Prozess gegen Motassadeq ist am vergangenen Dienstag neu aufgerollt worden. Er muss sich erneut wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg verantworten. Die erste Verurteilung zu 15 Jahren Gefängnis war vom Bundesgerichtshof aufgehoben worden.

In den am Mittwoch in den Hamburger Terrorprozess eingeführten Dokumenten habe Binalshibh gesagt, der mittlerweile untergetauchte Zakariya Essabar habe «kein Wissen über den Organisationsplan des 11. September» gehabt und sei nicht eingebunden gewesen. Im November habe Binalshibh jedoch gesagt, Essabar sei ursprünglich als Todespilot vorgesehen gewesen, berichtet das Magazin. Auch Motassadeq sei lediglich ein Freund gewesen, der an «Dschihad-Treffen» teilgenommen habe.

Die ebenfalls neu vorgelegten Aussagen des zweiten mutmaßlichen Chefplaners, Khalid Scheich Mohammed, beinhalte laut «Spiegel» jedoch Indizien dafür, dass Motassadeqs Einbindung in das Al-Qaida-Netzwerk stärker war als von ihm bislang eingeräumt.

Er und Scheich Mohammed hätten sich Ende 2000 oder Anfang 2001 in Pakistan getroffen. Zu diesem Zeitpunkt hat der Scheich laut «Spiegel» bereits im Untergrund gelebt und als einer der meistgesuchten Männer der Welt gegolten.

Das US-Justizministerium hatte in seinem Schreiben darauf hingewiesen, dass Binalshibh und Scheich Mohammed möglicherweise absichtlich Informationen zurückgehalten hätten und ihre Aussagen widersprüchlich seien. Allerdings weigern sich die US-Behörden «aus nationalen Sicherheitsgründen», dem Gericht in Hamburg Binalshibh und Scheich Mohammed zur Befragung zur Verfügung zu stellen.

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