Wie die Saar-SPD gegen Lafontaine kämpft
Wahlkampf im Saarland: Spieglein, Spieglein

Beck weg, Steinmeier da, neue Zuversicht in der SPD - die Welt des Heiko Maas könnte so schön sein. Doch seine politische Heimat ist das Saarland. Und das ist Lafontaine-Land. Deshalb hat der Bundestagswahlkampf hier längst begonnen. Es geht darum, wer der bessere Genosse ist.

SAARBRÜCKEN. Draußen auf den Wiesen stehen die Felder kurz geschoren, das Heu haben die Bauern schon eingeholt. Drinnen im "Centrum für Freizeit und Kommunikation" sammeln sich jene Arbeiter, die säen müssen, damit ihre SPD in einem Jahr endlich mal wieder eine Ernte einfahren kann. Sie tragen Schnäuzer und Lederschlips, manche Föhnfrisur mit Strähnchen. Sie sind mittleren Alters, stehen mitten im Leben und nun auch mitten in einem Kampf, der Heiko Maas, den "Heiggo", wie sie hier im tiefsten Westen sagen, ins Amt des saarländischen Ministerpräsidenten hieven soll. Eine Stimmung des Aufbruchs hat sich breit gemacht nach trüben Monaten. Sie haben nun endlich einen Kanzlerkandidaten, sie üben wieder Zuversicht, sie sind wieder in Bewegung.

Es ist Viertel nach sechs, als in der Halle in Spiesen, 20 Kilometer nördlich von Saarbrücken, die freien Stühle aus gehen. 147 von 175 Delegierten sind erschienen. Das gab's schon lange nicht mehr bei einem Kreisparteitag der SPD Neunkirchen. Erst die Regularien, dann die Attacken auf den politischen Gegner. Doch es dauert fast anderthalb Stunden, bis der Name desjenigen zum ersten Mal fällt, der ihnen die schöne Stimmung schnell wieder verhageln kann: Oskar.

Wenn Politiker den Gegner ignorieren, ist das entweder die Höchststrafe oder der Ausdruck purer Angst. Peter Müller wirft sein Sakko über die Stuhllehne und veranstaltet ein kleines Quiz. Er liest ein Zitat vor - ein Plädoyer für Privatisierungen. Preisfrage: Wer hat's gesagt? Richtig, Oskar Lafontaine. Früher mal. Heute rede der ja anders. "So isser, unser Oskar." Müllers linker Mundwinkel zuckt abschätzig nach oben. Müller ist der Ministerpräsident. Wenn er von der kommenden Landtagswahl spricht, spricht er von einem Duell zwischen sich, dem Müller von der CDU, und Oskar Lafontaine, dem Linken, diesem "Enkel Erich Honeckers". Von der SPD spricht er nicht. Deren Spitzenkandidat Maas? "Interessiert die Bürger nur zweitrangig", sagt Müller.

"Das hier ist einer der härtesten Jobs, den die SPD zurzeit zu vergeben hat", sagt Heiko Maas. Der SPD-Fraktionschef sitzt in seinem Büro im Landtag, verschränkt die Arme vor der Brust und presst den Rücken in die Stuhllehne. An den Wänden hängen klecksbunte Ölbilder. Aber das mit den Farben ist so eine Sache. Es kommt darauf an, welche man mag, und nicht immer ist zum Beispiel rot gleich rot. Maas kennt sich da aus. Vor ein paar Tagen behauptete eine Umfrage, seine SPD liege hinter der Linkspartei. Maas würde Lafontaine wohl gerne ignorieren. Aber er kann es sich nicht leisten.

Im Saarland wird zwar erst am 30. August kommenden Jahres gewählt, aber der Wahlkampf tobt schon ein Jahr vorher - und wie. Denn es ist eine Landtagswahl von symbolischer Bedeutung. Vier Wochen vor der Bundestagswahl könnte eine Schlappe der SPD im Saarland schon alle Ambitionen des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier und seines Strategen Franz Müntefering beenden. Eine Niederlage gegen die mit absoluter Mehrheit regierende Müller-Merkel-CDU wäre schlecht, aber eher noch zu verschmerzen als eine gegen Lafontaines Linkspartei.

Zweiter hinter Müller und eine rot-rote Koalition? Ein Steinmeier-Alptraum. Gar Dritter hinter Müller und Oskar? Ein blutroter Alptraum. Laut Umfragen ist alles möglich.

Seite 1:

Wahlkampf im Saarland: Spieglein, Spieglein

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%