Wie ein Stachel im Fleisch der Behörden
Kaplan Abschiebung in weiter Ferne

Der selbst ernannte „Kalif von Köln" hat sich am Montag pflichtgemäß bei der Polizei gemeldet und damit alle Auflagen erfüllt. Und nicht nur das. Mittlerweile ist auch klar, dass der „Hassprediger“ nie verschwunden oder gar untergetaucht war.

HB KÖLN. Fast eine Woche lang diskutierte halb Deutschland mehr oder weniger aufgeregt über eine mögliche Abschiebung des Islamistenführers Metin Kaplan. Reflexartig schoben sich Vertreter der jeweiligen politischen Lager die Schuld für das angebliche Entkommen Kaplans zu, als dieser nicht zu Hause angetroffen wurde. Als sich der selbst ernannte „Kalif von Köln“ am frühen Montagmorgen pflichtschuldigst bei der Polizei meldete, fiel es den Beobachtern wie Schuppen von den Augen: Der „Hassprediger“ wird vorerst bleiben und den deutschen Behörden wohl noch Monate wie ein Stachel im Fleisch sitzen.

Spätestens seit Montag, so bestätigten Sicherheitskreise in Düsseldorf, ist zudem klar: Kaplan war nie verschwunden, sondern hielt sich in dem verschachtelten Wohnkomplex auf, in dem sich auch seine Wohnung befindet. Am Freitagabend überzeugten sich Mitarbeiter der Führungsaufsicht des Landgerichts Köln selbst von der Anwesenheit des „Kalifen“. Sowohl die verdutzten Verfassungsschützer als auch die Polizei konnten ihn also nicht verpasst haben - weil er das Gebäude gar nicht erst verlassen hatte.

Auch diejenigen, die Kaplan schon bald in einem Flugzeug Richtung Istanbul oder Ankara sitzen sehen, müssen sich nach Auffassung von Experten noch einmal besinnen. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat am vergangenen Mittwoch unmissverständlich klar gemacht, dass Kaplan keinesfalls abgeschoben werden darf, bevor das Bundesverwaltungsgericht letzinstanzlich entschieden hat, ob in der Türkei Hindernisse gegen seine Abschiebung vorliegen.

Aus dem Urteil in Münster dürften vorerst keinerlei rechtliche oder tatsächliche Schlüsse gezogen werden. Dieser juristisch wesentliche Hinweis des 8. Senats verrauchte in der allgemeinen Verwirrung um das angebliche Verschwinden Kaplans. Das Ausländeramt in Köln verschwieg diesen Hinweis offenbar sogar dem Amtsgericht der Domstadt. Dort heißt es nun, wahrscheinlich hätte es den am Mittwoch eilig ausgestellten, tags darauf zurückgenommenen Haftbefehl gegen Kaplan nie gegeben, hätte die Information rechtzeitig vorgelegen.

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