Wie Liechtensteins Fürst billig eine Bank kassiert
Das Lachen aus Vaduz

Über diese Geschichte wird in der CSU nie jemand reden, denn sie ist ein bisschen peinlich. Schließlich zeigt sie, wie im Eifer des Gefechts, in diesem Fall des Steuerstreits zwischen Deutschland und Liechtenstein, schnell mal übers Ziel hinausgeschossen wird. Und wie dann jene, denen ein Denkzettel verpasst werden soll, am Ende gut lachen haben.

ZÜRICH. Zwischen Vaduz und München beginnt diese Geschichte vor knapp einem Jahr, als die Bayerische Landesbank die Kärntner Hypo Group Alpe Adria kauft. Die Österreicher haben auch eine Filiale in Liechtenstein, wo vorwiegend Kunden aus dem Balkan ihr Geld anlegen. Sie ist gemessen am Aktienkapital und mit rund 800 Millionen Euro verwaltetem Kundenvermögen die fünftgrößte Bank des Fürstentums.

Schon bevor der Kauf besiegelt wird, beschließen Bayern und Österreicher, die Liechtensteiner Dependance loszuwerden, weil die Vermögensverwaltung nicht ins sonstige Geschäft passt. Im Dezember 2007 wird der Plan teilweise in die Tat umgesetzt: 51 Prozent der Liechtenstein-Filiale wird an eine Investorengruppe verkauft. Sie nennt sich Industrie- & Finanzkontor.

Dahinter verbirgt sich ein Finanzdienstleister, dessen Präsident ein Vetter des Fürsten ist und Seine Durchlaucht Michael von und zu Liechtenstein heißt. Die LGT, deren gestohlene Kundendaten in der Steueraffäre eine Schlüsselrolle spielen, ist nicht das einzige Bankhaus der Fürstenfamilie. Darüber hinaus erhielten die Von und Zus auch noch ein Vorkaufsrecht für die restlichen 49 Prozent der BayernLB-Tochter.

Im vergangenen Monat dann kommt Schwung in den weiteren Verkauf. Grund für die Eile ist ein Mix aus Steueraffäre, dem einsetzenden deutschen Ekel vor allem, was mit Stiftungen und Anlagen in Liechtenstein zu tun hat, und der Kommunalwahl in Bayern.

In der CSU-geführten Staatskanzlei sorgt ein Brief für Betriebsamkeit, den der Vize-SPD-Fraktionschef im Landtag, Thomas Beyer, dorthin und an eine Zeitung geschickt hatte: Die Regierung solle klären, ob die BayernLB durch ihre Beteiligung indirekt von Steuerhinterziehung profitiere. Die Regierung klärt aber gar nicht erst die Sachfrage, sondern setzt bei der Landesbank durch, dass umgehend ein Beschluss über den Restverkauf getroffen wird.

Die Hände rieb sich daraufhin Michael von und zu Liechtenstein. Günstiger als jetzt, wo die Verkäufer gezwungen sind, ihren Teil loszuwerden, dürfte er nie wieder zu den restlichen Anteilen der florierenden Bank kommen. Auch Familienoberhaupt Hans-Adam II. konnte sich ein Lachen wohl nur schwer verkneifen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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