Wieczorek-Zeul
Preisexplosion bei Nahrungsmitteln massive Bedrohung

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat vor dramatischen weltweiten Gefahren durch den rasanten Preisanstieg bei Nahrungsmitteln gewarnt.

HB WASHINGTON. „Ich betrachte die steigenden Lebensmittelpreise ... als eine Gefahr für Wachstum, Armutsbekämpfung, Stabilität und Frieden in der Welt“, sagte die Ministerin am Samstag in Washington. Diese beunruhigende Entwicklung sei ein zentrales Thema der Weltbank-Beratungen am Wochenende. Sie machte besonders den Anbau von Pflanzen für Biosprit für den Preisanstieg bei Lebensmitteln verantwortlich und forderte, weltweit Beimischungspflichten für Agrarkrafstoffe auszusetzen. Der massive Preisanstieg für Lebensmittel sei ein Problem mit großer Sprengkraft und Dramatik, erklärte die Ministerin.

Die Industrieländer hätten dafür mit ihrer Forcierung von Biosprit eine Mitschuld. Nach ernstzunehmenden Untersuchungen gingen 30 bis 70 Prozent der Nahrungsmittel-Preissteigerungen auf den forcierten Anbau und die Verwendung von Pflanzen für Kraftstoffe zurück. „Die Beimischungsziele für Agrarkraftstoffe weltweit müssen auf den Prüfstand“, laute daher ihre Forderung. Es nütze dem Klimaschutz nichts, wenn am Äquator die tropischen Regenwälder für die Produktion von Biosprit abgeholzt werden. Jeder Prozentpunkt höhere Lebensmittelpreise bedrohe zusätzlich 16 Millionen Menschen mit Hunger, erklärte die Ministerin. Insofern bedrohe dies die Sicherheit und den Frieden in der Welt. In einer Reihe von Entwicklungsländern hatten die steigenden Lebensmittelpreise bereits für soziale Unruhen gesorgt. Betroffen von der Entwicklung sind nach Wieczorek-Zeuls Worten speziell die Ärmsten der Armen in Entwicklungsländern.

Die Erfolge der Entwicklungshilfepolitik drohten um Jahre zurückgeworfen zu werden. Gefordert seien sowohl die reichen Länder mit Hilfen, als auch die Entwicklungsländer selbst, die ihre Ausgaben für den ländlichen Raum erhöhen müssten. Die Ministerin unterstützte den Vorschlag von Weltbankpräsident Robert Zoellick, dass die Staatsfonds dieser Welt ein Prozent ihrer Anlagesumme investiert sollten, um der Wirtschaft in Afrika Impulse zu geben. Gespräche dazu würden am Rande der Weltbank-Konferenz laufen. Jedenfalls wäre das ein sehr sinnvoller Einsatz dieser Gelder. Wieczorek-Zeul äußerte sich zuversichtlich, dass die europäischen Länder ihre Verpflichtungen einhalten werden, ihre Entwicklungshilfe bis 2015 auf 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Deutschland liegt derzeit bei 0,37 Prozent.

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