Wiedervereinigung
Was von der wirtschaftlichen Einheit geblieben ist

Exakt 1,6 Billionen Euro flossen seit dem Mauerfall von West nach Ost. Netto. Doch noch immer kehren Frustrierte den neuen Ländern ihren Rücken und schrecken NPD-Hochburgen wie im sächsischen Pirna zahlungskräftige Touristen ab. Doch ist die wirtschaftliche Einheit damit gescheitert? Zwei ökonomische Bilanzen der deutschen Einheit.
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DÜSSELDORF. 20 Jahre nach dem Mauerfall überflutet uns viel anspruchsvolle Literatur, wenn es um minutiöse Details des Mauerfalls oder den großen Bogen im 20 Jahre langen gesellschaftspolitischen Zusammenwachsen geht. Aber es erstaunt, wie wenig Autoren sich an die wirtschaftliche Einheit heranwagen. Wer weiß schon, in welcher Stimmung sich westdeutsche Bankmanager mit ostdeutschen Sparkassenfunktionären trafen, unter welchen Voraussetzungen technikbegeisterte Ingenieure dem maroden Stahlkoloss Eisenhüttenstadt auf die Beine halfen oder in welch atemberaubendem Tempo die weltweit größte Privatisierungswelle 8 500 Unternehmen in die freie Marktwirtschaft entließ?

Vollkommen unterschiedlich, aber beide erfolgreich, nähern sich Karl-Heinz Paqué sowie die Herausgeber Frank Keuper und Dieter Puchta dem Thema "deutsch-deutsche Wirtschaft". Gemeinsame Klammer der stilistisch so unterschiedlichen Werke: In den neuen Bundesländern löst das plötzliche Wegbrechen der osteuropäischen Absatzmärkte einen ökonomischen Erdrutsch aus. Für das, was kommen sollte, gibt es keine Blaupause, keine Alternative.

Nicht das Erreichte enttäuschte, sondern die Erwartungen waren zu hoch. Macher aus Politik und Wirtschaft standen vor einer Herkulesaufgabe, die sogar den Wiederaufbau nach dem Krieg in den Schatten stellte. Das ist Rahmen und These für den ehemaligen Finanzminister von Sachsen-Anhalt, Paqué. 40 Jahre Abschottung vom Weltmarkt haben noch tiefere Spuren hinterlassen als die Weltwirtschaftskrise in den 20ern und der Zweite Weltkrieg.

Kurzweilig und sprachlich elegant entzaubert der gebürtige Saarländer und heutige Wirtschaftsprofessor der Uni Magdeburg Deutschlands moderne Dolchstoßlegende, wie sie in liberal-konservativen und links-sozialistischen Kreisen gleichermaßen viele Anhänger hat. Die Legende, wonach Politiker vieles hätten anders machen können, um die Landschaften wie von Helmut Kohl versprochenen blühen zu lassen oder zumindest eine bessere Einheit zu bekommen, als wir sie heute vorfinden.

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