Wiesehügel: Akzeptabler Kompromiss
Krise am Bau zwingt Beschäftigte zu Einbußen

Die Krise am Bau hat die Beschäftigten der Branche zu Zugeständnissen beim 13. Monatsgehalt veranlasst. Zu dem Kompromiss sah sich die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gezwungen, um überhaupt im nächsten Jahr mit den Arbeitgebern Lohnverhandlungen für die Baubranche führen zu können.

Reuters HAMBURG. Die viertgrößte deutsche Gewerkschaft stimmte der Kürzung der so genannten Jahressonderzahlung für die rund 600 000 Arbeiter und Angestellten der westdeutschen Bauwirtschaft um 27 % zu. „Das ist ein Einschnitt“, sagte IG-BAU-Sprecher Michael Knoche am Freitag in Hamburg. „Allerdings glaube ich, dass dies die einzige Möglichkeit ist, die zurück zu gemeinsamen Lohntarifverhandlungen führt.“ Nach den im vergangenen Jahr durch den ersten Streik in der Bauwirtschaft seit über 50 Jahren durchgesetzten Lohnerhöhungen hatten vier regionale Arbeitgeberverbände vor kurzem erklärt, keine zentralen Verhandlungen mehr führen zu wollen. Voraussetzung dafür, dass die am Donnerstagabend in Hamburg erzielte Einigung zum 13. Monatsgehalt wirksam wird, ist, dass die vier Verbände an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Der Tarifeinigung zufolge, der die Gremien beider Seiten bis zum 19. September zustimmen sollen, werden die bisher im Durchschnitt für gewerbliche Arbeitnehmer gezahlten 1375 € auf 1005 € gesenkt. Davon werden 473 € bar ausgezahlt, 532 können die Arbeitnehmer in eine zusätzliche kapitalgedeckte Altersversorgung stecken. Damit erhöht sich die vom Arbeitgeber zum Aufbau einer zusätzlichen Altersrente gezahlte Summe den Angaben zufolge jährlich auf 900 €. Für die Beschäftigten in Ostdeutschland gibt es einen solchen Tarifvertrag nicht.

IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel bezeichnete den Abschluss als akzeptablen Kompromiss in schwieriger Zeit. Die Arbeitgeber hätten angesichts der anhaltend schwierigen Situation der Bauwirtschaft und des Verfalls der Tarifstrukturen zu einem weit gehenden Verzicht auf die bisher rund 55 % eines Monatseinkommens betragende Jahressonderzahlung gedrängt. „Das haben wir nicht gemacht“, sagte Wiesehügel. Der von den Arbeitgebern gewollten Streichung sei ein Tarifpaket gegenüber gestellt worden, mit dem die Altersvorsorge gestärkt werde.

Arbeitgeber-Verhandlungsführer Werner Kahl wertete das Ergebnis als Pakt der Vernunft. Damit werde die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gestärkt und Arbeitsplätze in dem krisengeschüttelten Wirtschaftszweig gesichert.

Der Tarifexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reinhard Dombre, hob hervor, dass der Bau eine Lösung im Rahmen des Flächentarifvertrages erreicht habe. „Man muss es insgesamt betrachten. Das ist kein Beispiel für die von der Union geforderten betrieblichen Bündnisse“, sagte Dombre. CDU und CSU haben eine Gesetzesinitiative auf den Weg gebracht, mit der eine Öffnung der Tarifverträge für betriebliche Bündnisse ermöglicht werden soll. Dies lehnen die Gewerkschaften strikt ab, weil dies ihren Einfluss einschränken würde. Der Abschluss müsse im Lichte der besonders schwierigen Situation der Baubranche gesehen werden. „Die schwache Auftragslage der Bauwirtschaft wird das aber sicher nicht ändern“, sagte Dombre.

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