Wikileaks-Affäre
Suche nach dem Maulwurf belastet die FDP

Die interne Suche nach dem Informanten der Berliner US-Botschaft in den Reihen der Liberalen wird zur Belastungsprobe. Bis zu sechs Verdächtige gibt es in Partei und Bundestagsfraktion, heißt es aus internen Kreisen. Doch noch ist die Partei ratlos, wie sie vorgehen soll.
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BERLIN. Die interne Suche nach dem Informanten der Berliner US-Botschaft in den Reihen der Liberalen wird zur Belastungsprobe. Zwar sagte Parteichef Guido Westerwelle bei einer Parteiveranstaltung noch ironisch, das Protokollieren von Gespräche sei nicht so ernst zu nehmen. Dass es in den eigenen Reihen aber offenbar einen Informanten gibt, der an die US-Botschaft Interna weitergab, geht nicht spurlos an der FDP vorüber.

Erst am Montag schlug Parteivize Rainer Brüderle in der Präsidiumssitzung vor, von allen infrage kommenden Liberalen eidesstattliche Versicherungen zu verlangen. Westerwelle, der später zur Runde dazustieß, lehnte das ab. "Seitdem kursieren in der Partei und Bundestagfraktion vier bis sechs Namen", sagt ein Liberaler aus der Fraktion. Die Bezeichnung des Maulwurfs durch den US-Botschafter als "junger, aufstrebender Parteigänger" helfe bei der Suche aber nicht wirklich weiter, da sonst jeder zweite Liberale als verdächtig erscheine, sagte der Abgeordnete.

In einem bei Wikileaks enthüllten Dokument hatte US- Botschafter Philip Murphy notiert, ein „junger, aufstrebender Parteigänger“ der FDP habe angeboten, Botschaftsmitarbeitern Dokumente aus Koalitionsverhandlungen zu übergeben. „Wenn es so war, wird sich der Betreffende ermitteln lassen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring, der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

Der Zeitung zufolge wird in der FDP nicht mehr ausgeschlossen, dass es sich bei dem Zuträger um einen Bundestagsabgeordneten handelt. Anfangs war die Wikileak-Darstellung in der FDP angezweifelt worden. Das Blatt zitiert ein ungenanntes älteres Mitglied des FDP- Bundesvorstands mit den Worten: „Wer jung ist, ist manchmal einfach auch naiv.“ Fraktionsvize Döring kritisierte auch den Umgang deutscher Medien mit den Berichten. „Die Sympathie liegt einseitig bei Wikileaks, nicht bei den Ausgespähten.“

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  • Die Aufregung der USA ist nicht ohne weiteres nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass befreundete botschaften in berlin schon seit vielen Jahren vertrauliche Meetings in abhörsichere Räume der bundesregierung verlegt haben.

  • Man stelle sich mal vor, da gibt es tatsächlich einen jungen Plauderer, der bei den Koalitionsverhandlungen mit am Tisch gesessen hat und evtl. jetzt auch noch ein hohes Parteiamt innehat! Zur besseren Vern(i)ebelung dann die Anzahl der Verdächtigen erhöhen, wenn man schon nicht mehr alles abstreiten kann.
    Das passt zum aktuellen Gesamterscheinungsbild der FDP.
    Am besten als Weihnachtsgeschenk an das Volk diese Regierung auflösen und Neuwahlen ansetzen. Dann hat ATOM-Angela ihre Quittung und die FDP kommt endlich unter die lang ersehnte 5%-Hürde und kann keinen weiteren Schaden mehr anrichten.

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