Wikipedia
Wie Freiherr zu Guttenberg zu Wilhelm wurde

Als bekannt wurde, dass Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg der neue Bundeswirtschafsminister werden würde, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer - mit peinlichen Folgen, wie sich jetzt herausstellte.

DÜSSELDORF. Gerade wenn es schnell gehen muss, dann greifen Journalisten mittlerweile gerne auf Wikipedia zurück. Das zeigt zumindest die Benennung des neuen Bundeswirtschaftsministers. Freiherr von und zu Guttenberg entstammt dem christsozialen Adel, was mit einer imposanten Reihe von Vornamen verbunden ist. Diese besorgten sich viele Medien - darunter leider auch Handelsblatt.com - schnell vom Internetlexikon als die Personalie bekannt wurde. Schade nur, dass dort zuvor manipuliert wurde. Wie das Medienweblog Bildblog berichtet, wurde einer der Vornamen von einem anonymen Nutzer erfunden.

Der korrekte Name des Ministers lautet Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. In der Nacht bevor der neue Bundeswirtschaftsminister bekanntgegeben wurde, mogelte der Nutzer bei Wikipedia einen "Wilhelm" dazu. "Ich fragte mich, ob es jemand merken würde, wenn ich zu der langen Namensliste einfach einen weiteren hinzufügen würde. Es stellte sich heraus: Niemand merkte es", berichtet der Manipulator über sein Vorgehen. Etliche Online-Medien, Zeitungen und Fernsehsender übernahmen dann die Erfindung ungeprüft: Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online, taz, Rheinische Post samt Internetseite, das RTL-Nachtjournal. Der erfundene Name schaffte es sogar auf die Titelseite der Bild-Zeitung.

"Zugegeben, der Scherz war anfangs nicht gerade originell. Innerhalb weniger Stunden bekam er aber eine höchst interessante Eigendynamik, die mich an den Recherche-Methoden vieler Journalisten erheblich zweifeln ließ" schreibt der Manipulator zurecht. Weil Journalisten ungeprüft von Wikipedia abschrieben und Wikipedia journalistische Texte als glaubwürdige Quelle betrachteten, sei der erfundene Vorname schnell zur medialen Wirklichkeit geworden. Handelsblatt.com hat den Fehler natürlich mittlerweile behoben und entschuldigt sich dafür. Und Lehren zieht die Redaktion aus diesem Vorfall natürlich auch.

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