Wilders Gastauftritt bei Pegida
Kurz und harmlos

Pegida hatte sich viel erhofft. Doch der Kurzauftritt des niederländischen Rechtspopulisten Wilders brachte keinen Schwung in die Bewegung. Seine Rede passt zur Situation der Islamkritiker: flüchtig und ohne neue Ideen.
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DresdenEines haben die Gegendemonstranten erreicht – die Anhänger von Pegida mussten zum Teil große Umwege laufen, um die Bühne im Dresdner Ostragehege, dem Messegelände, zu erreichen. Mehrere Tausend Pegida-Anhänger erreichten das in einer Flutrinne eingezäunte Areal erst mit großer Verspätung.

Doch auch der Hauptredner des Nachmittags, der niederländische Rechtspopulist und Islamkritiker Geert Wilders, braucht länger als erwartet. Erst gegen 17.45 Uhr kommt der Politiker in der Innenstadt an. Er sitzt in einer Limousine. Die Kolonne, zu der neben Autos mit deutschen und niederländischen Kennzeichen auch mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei gehören, rast mit Blaulicht und Martinshorn zum Messegelände. Das Linienflugzeug aus Düsseldorf mit Wilders an Bord hatte schon beim Start eine Verspätung.

Und so verfehlten sich alle Verspäteten nicht. Es sind wohl nur rund 10.000 Menschen, die in der Flutrinne Stargast Wilders zuhören – und keine 30.000, von denen Pegida-Chef Lutz Bachmann mehrfach gesprochen hatte. Wilders, der blondierte Niederländer spricht 25 Minuten zu ihnen. „Wir hassen niemanden“, sagte Wilders. Sein Hass gelte dem totalitären Islam, nicht jedoch den Muslimen. Allerdings kritisierte er den Islam als freiheitsfeindliche Religion, und er warnte vor einer „Gefahr der Islamisierung“.

Inhaltlich hat er wenig Neues dabei, im Ton ist er jedoch gemäßigter als erwartet. Es sind altbekannte Sätze wie: „Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber fast alle Terroristen sind Muslime“ gepaart mit der persönlichen Ansprache an die Dresdner Pegida-Demonstranten, sie mögen Alarm schlagen, „wenn Sie Deutschland lieben“. Natürlich bekommt auch etablierte Politiker im Umgang mit dem Islam ihr Fett weg: „Ich habe ihre schamlose unverantwortliche und erbärmliche Feigheit satt.“ Immer begleitet von den „Volksverhetzer“-Rufen des Publikums. Den größten Applaus erhält Wilders für die Forderung, das europäische Schengen-Abkommen zu verlassen und „unsere Grenzen wieder selbst kontrollieren“. Man dürfe Unfreiheit, Unsicherheit und Terror nicht importieren.

Als der Niederländer nach 25 Minuten fertig ist, zurück in seine Limousine springt und von seinen Personenschützern zurück zum Flughafen gebracht wird, hält es auch viele Teilnehmer nicht mehr auf der umzäunten Wiese. Auch sie verlassen in Größenordnungen das Gelände.

Derweil redet Tatjana Festerling, seit einer Woche Pegida-Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl im Juni. Sie regt sich maßlos darüber auf, dass drei OB-Kandidaten – der amtierende Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und seine Mitkonkurrenten, die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) und Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) – kurz vor der Veranstaltung im Landtag Pegida und Wilders kritisiert hatten.

Ulbig sprach in der Pressekonferenz von „einem schlechten Tag für Dresden“, Wilders sei ein „Rechtspopulist, der Hass ins sich trägt“. Stange fügte hinzu, dass Pegida mit der Einladung von Wilders eine Toleranzgrenze überschritten habe. Schon am Wochenende hatte sogar Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) Pegida vor fremdenfeindlichen und rassistischen Ausfällen gewarnt.

Kommentare zu " Wilders Gastauftritt bei Pegida: Kurz und harmlos"

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  • Herr Heinz Keizer14.04.2015, 14:12 Uhr

    "Dafür, dass diese bedeutungslos sind, regen sich aber mächtig viele......darüber auf. "

    Sehe ich auch so, bin kein Pediga-Anhänger und wohne auch zu weit weg, aber ich habe keine brennende Stadt gesehen oder ein Auto, oder schlimmeres wie Verletzte Personen !
    NUR, unseriöse Medienvertreter, die versuchten, Pegida-Anhänger zu simulierten, abstoßend !!!

    Der "Start" dieser Bewegung fing gut an, ist aber durch Unvermögen weniger soweit "gescheitert" !

    Warum man immer noch diese Bewegung so aufgeregt begleitet, ist u.a. dadurch zu erklären, das die größte Anzahl, die friedlich weiter demonstrieren würden, durch den internen unseriösen Auftritt einzelner, zu Hause bleiben !

    Die kritische Bevölkerung wächst weiter und kann nicht durch naive, parteiische Medienberichte unterdrückt werden !

  • Dafür, dass diese bedeutungslos sind, regen sich aber mächtig viele Medien und Politiker darüber auf. Über den linken Mob in Frankfurt, der großen Schaden angerichtet hat, haben sich nicht annähernd so viele aufgeregt. Was "deutschtümelnde Gutmenschen" sind, kann ich nicht nachvollziehen. Meinen Sie damit alle Nicht-Multi-Kulti-Feteschisten? Dann noch seriöse Politiker der AfD mit diesem "Holländer" (ist er wirklich Holländer oder eher Niederländer?) in einem Topf zu werfen???

  • Pegida und die deutschtümelnden Gutmenschen der AFD sind doch mittlerweile bedeutungslos. Bezeichnend, dass sie sich für ihren letzten Wiederbelebungsversuch einen Holländer holen....

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