Wilhelmshaven oder Hamburg
Bruderstreit um Deutschlands Zukunftshafen

Bis 2009 soll im niedersächsischen Wilhelmshaven ein Tiefseewasserhafen entstehen, der riesige Containerschiffe empfangen kann. Schon träumt man von tausenden Arbeitsplätzen in der strukturschwachen Region. Doch in den letzten Wochen hat sich das Thema zunehmend zum Bruderstreit entwickelt. Denn auch Hamburg bereitet sich auf die neuen Schiffsriesen vor.

BERLIN. Seit Jahrzehnten bilden Hamburg und Niedersachsen eine Schicksalsgemeinschaft. Im Hafen der Hansestadt arbeiten direkt oder indirekt 50 000 Niedersachsen, die im Speckgürtel um die Elbmetropole leben. Doch nun wittert die Landesregierung in Hannover erstmals die Chance, selbst direkt vom boomenden Welthandel zu profitieren. Auch Hamburg bereitet sich auf die neuen Schiffsriesen vor, braucht dafür aber eine weitere Elbvertiefung. Niedersachsen zögert mit der nötigen Zustimmung und führt das Argument an, man müsse erst einmal über die Deichsicherheit und ökologische Folgen reden. Am vergangenen Freitag übersandte das FDP-geführte niedersächsische Umweltministerium dazu eine kritische Stellungnahme.

Bereits Ende April hatte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gestichelt, die Wahrnehmung in Hamburg ende „manchmal in Hamburg-Harburg“ – worauf Politiker der Hansestadt empört zurückkeilten. Mittlerweile wird die Auseinandersetzung wieder norddeutsch kühl geführt. „Von einer verzögerten Zustimmung Niedersachsens kann keine Rede sein“, sagte etwa Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall dem Handelsblatt. Der Planfeststellungsbeschluss müsse erst im Frühjahr 2008 vorliegen.

Aber in der Hamburger Handelskammer gibt man sich weniger zurückhaltend. Denn es geht um viel Geld – und langfristig geplante Schiffsrouten der großen Reedereien. Gerade hat der Senat das Zukunftsprogramm für den Hafen mit einer Verdoppelung der umgeschlagenen Containerzahl auf 18 Millionen Stück bis 2015 beschlossen. Das geht nur mit neuen Riesenschiffen.

Das Misstrauen in Hamburg ist groß, dass Niedersachsen aus taktischen Gründen auf Zeit spielt. Zwar hat das Bundesverkehrsministerium gerade erst betont, es gebe keine Konkurrenz, sondern beide Häfen ergänzten sich. Aber der Argwohn sitzt tief, dass Hannover und Bremen gemeinsam erst einmal den Erfolg Wilhelmshavens sichern wollen. Tatsächlich hat auch Wulff unverhohlen damit geworben, dass sich die Reeder künftig die tideabhängige, längere und damit teurere Elbanfahrt nach Hamburg sparen könnten. Es geht um eine strategische Entscheidung.

Aus Hamburger Sicht ist dies eine groteske Debatte: „Eine Verzögerung der Elbvertiefung wäre aus wettbewerbspolitischer Sicht fatal“, warnt Uldall. Denn planten die Reedereien um, werde in erster Linie Rotterdam profitieren. „Ich möchte noch einmal wiederholen: Nach VW ist der Hamburger Hafen der größte Arbeitgeber für Niedersachsen. Der Fahrrinnenausbau liegt damit auch im unmittelbaren Interesse Niedersachsens.“ Wilhelmshaven, so sticheln die Hamburger, fehle Entscheidendes: ein Umland mit vielen Einwohnern und eine ausreichende logistische Hinterlandanbindung, um große Gütermengen transportieren zu können.

Seite 1:

Bruderstreit um Deutschlands Zukunftshafen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%