Will-Talk zur FDP
Westerwelle - eine Tragödie in fünf Akten

Was Westerwelle mit Shakespeare gemeinsam hat und warum seine Tragödie noch längst nicht beendet ist, versuchte der „Anne Will“-Talk zu beantworten. Herauskam die beunruhigende Analyse eines liberalen Schauspiels.
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BerlinGuido Westerwelle – das waren zehn Jahre politische und persönliche Neuerfindung an der Spitze der FDP. Hätte auch die Politik ihre Oscars zu vergeben, die Nominierung für die wandelbarste Rolle wäre dem scheidenden Liberalenchef sicher.

Westerwelle, das bedeutet Spaß-Guido, der im Guido-Mobil durch die Republik zieht, Big Brother mit einer Stippvisite beehrt und einer 18-Prozent-Schuhsohlen-Kampagne nervt. Das ist der laute „Steuersenkungs“-Provokateur der Opposition - seine wahrscheinlich beste Rolle. Oder der strahlende Sieger, der sich nicht lange sonnen darf in seinem Triumph. Der Verunsicherte, der hadert mit dem Spagat zwischen Stammtischplauderei und Seriosität im Außenamt. Und schließlich der gereifte Staatsmann, der von den freiheitskämpfenden Ägyptern gefeiert wird auf dem Tahir-Platz in Kairo, aber in der Libyen-Frage den Politikversager gibt.

Fünf Rollen in zehn Jahren. Geduldet, geliebt, gehasst. Dass Westerwelle ausgerechnet auf der Höhe seiner Macht vom Thron gestoßen wird, ist der Stoff aus dem Tragödien sind. Schon der Shakespeare-Schüler lernt: Das Scheitern des Helden ist unausweichlich. Er gerät durch eigene Verfehlung in Gefahr und stürzt nach dem Wendepunkt.

Der Wendepunkt, das ist im Fall Westerwelle ein außer Kontrolle geratener Atommeiler in Japan und eine Wahl in Baden-Württemberg. Der FDP-Chef erklärt nach langem Zögern ("Ich verlasse das Deck nicht, wenn es stürmt") nun doch seinen Rücktritt – und die Partei sucht den Ausweg aus dem liberalen Untergang.

„Störfall FDP – Westerwelle weg, Problem gelöst?“, fragt Anne Will am Sonntagabend, nur wenige Stunden nachdem der FDP-Chef offiziell vor laufenden Kameras sein Schicksal besiegelt hat. Es ist die Analyse eines gefallenen Helden. Nur eins unterscheidet dieses Schauspiel vom Shakespeare-Klassiker: Der Protagonist, er ist am Ende immer noch da - zumindest ein bisschen. 

Sein Amt als Außenminister will Westerwelle nicht abgeben. Aber darf er das überhaupt? Eigentlich nicht, entlockt es die gut gelaunte Diskussionsleiterin ihren fünf Gästen in der ARD-Runde. Darunter sind auch zwei Vertreter der FDP: Gerhart Baum, FDP-Minister a.D., der sich sogleich dafür entschuldigt, dass sich heute kaum jemand an ihn erinnert. Und Martin Lindner, Namensvetter des gelben Generals Christian Lindner, aber ansonsten nur wenigen bekannt (Will: „Man lernt plötzlich FDP-Mitglieder kennen, die man sonst noch nie gesehen hat“).

Kommentare zu " Will-Talk zur FDP: Westerwelle - eine Tragödie in fünf Akten"

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  • Westerwelle scheint am "Substanzmangel" gescheitert zu sein und die sogenannte "Junge Garde" gleicht eher "Kindersoldaten" die reichlich "GRÜN" hinter den Ohren sind.
    WO sind die Akteure die liberale Positionen auch mit Inhalt erfüllen können, wirtschaftliche Kompetenz besitzen und klare Aussagen treffen können?

  • Alles Unfug!

    Wozu soll sich eine Partei, die aus guten Gründen keiner mehr will oder braucht, ständig "neu erfinden", sie kann genausogut auch einfach verschwinden.

  • Absolut richtig, das würde ich voll unterstützen. Vielleicht sollten Parlamentsmitglieder auch, wie der Bundespräsident, ihr Parteibuch abgeben, damit sie wirklich das Land und nicht die Parteikarriere in den Vordergrund stellen.

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