Winfried Kretschmann
Untypischer Herausforderer

Winfried Kretschmann ist ein Urgestein der Landespolitik Baden-Württembergs. Jetzt macht der Grünen-Spitzenkandidat die CDU nervös, weil er bei bürgerlichen Wählern ankommt. Das könnte sie entscheidende Stimmen kosten.
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Stuttgart62 Jahre alt, Vater von drei Kindern, Wertkonservativer und praktizierender Katholik - dieses Profil hört sich eher nach Amtsinhaber denn nach Herausforderer an. Vor allem, wenn es um den Grünen-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Baden-Württemberg geht, der den CDU-Ministerpräsidenten von der Macht verdrängen will. Der 44-jährige Stefan Mappus könnte der Sohn von Winfried Kretschmann sein und war noch ein Heranwachsender, als der Grüne schon im Landesparlament saß.

"Viele Leute können sich Winfried Kretschmann als Ministerpräsidenten vorstellen", sagt selbst Bernd Zander, Grünen-Landtagskandidat im Wahlkreis Wangen, einer CDU-Hochburg. Die Menschen akzeptierten den Spitzenkandidaten als "einen von hier".

Kretschmanns Geburtsort Spaichingen ruft Erinnerungen an einen ehemaligen Landesvater wach: Erwin Teufel, der von 1991 bis 2005 in Baden-Württemberg regierte. Der avancierte in dem 12.000-Einwohner-Städtchen auf der Südwestalb zwischen Rottweil und Tuttlingen 1964 zum damals jüngsten Bürgermeister Deutschlands. Nach acht Jahren löste ihn sein Bruder Albert ab und hatte bis 2004 das Sagen in Spaichingen, wo die CDU bei der letzten Landtagswahl fast 50 Prozent der Stimmen holte.

Doch Kretschmann wuchs nicht in der Stadt auf, deren Ehrenbürger die Teufel-Brüder inzwischen sind, sondern im 85 Kilometer entfernten Zwiefalten-Sonderbuch, einem Dorf auf der Schwäbischen Alb. Heute lebt der studierte Naturwissenschaftler, der schon als Chemie- und Biologielehrer arbeitete, in Sigmaringen und hat seinen Wahlkreis in Nürtingen unweit von Stuttgart.

Die Grünen charakterisieren ihr Zugpferd als "kantig, ernsthaft, leidenschaftlich". Obwohl der heutige Fraktionschef bereits 1980 erstmals im Landtag saß, stehe er für die politische Erneuerung. Im Wahlkampf setzt Kretschmann auf die Themen Bildung, Finanzen, Ökologie und Verkehr. Nach dem Beben und Japan und seinen Folgen dominiert auch auf seiner Homepage das Thema Atompolitik.

Wie nervös der über die Parteigrenzen anerkannte Politiker die CDU macht, zeigen die von der Union gesäten Zweifel an seiner Gesundheit, die Kretschmann entschieden zurückgewiesen hat.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter

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