Winterklausur der CSU-Fraktion: Stoiber auf der weichen Welle

Winterklausur der CSU-Fraktion
Stoiber auf der weichen Welle

Der Geist von Wildbad Kreuth hat sich gewandelt: Die rebellische Stimmung vom Dezember ist abgeklungen, die CSU-Würdenträger fassen ihren angeschlagenen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber wieder mit Samthandschuhen an.

WILDBAD KREUTH. Edmund Stoiber lächelt gequält wie einer, der weiß, dass alles viel, viel schlimmer hätte kommen können. Soeben hat die CSU-Landtagsfraktion sein 90-Millionen-Euro-Sparpaket für den ausgeglichenen Haushalt 2006 ohne größeren Widerstand abgenickt. Und Fraktionschef Joachim Herrmann spendet sogar Lob: „Ohne die Hartnäckigkeit unseres Ministerpräsidenten hätten wir dieses Ziel nicht erreicht.“

Die Fraktion ist zu ihrer Winterklausur im oberbayerischen Wildbad Kreuth zusammengekommen, wie schon in der Vorwoche die CSU-Landesgruppe im Bundestag. Für Stoiber galt dieser Termin als die eigentliche Bewährungsprobe: Hier sitzen die Rebellen, die im November nach seinem Rückzug aus Berlin zum Aufruhr geblasen hatten. Doch jetzt erinnert man sich in der Landtagsfraktion an den christlichen Grundsatz Gnade vor Recht. „Wir müssen alles tun“, bringt eine Abgeordnete die vorherrschende Meinung zum Ausdruck, „dass Stoiber keinen weiteren Gesichtsverlust erleidet.“

Fast anderthalb Stunden hatte der angeschlagene Bayern-Premier seine Fußtruppen gebauchpinselt. Wenn ihm die Fraktion folge, dann könne 2007 und im Landtagswahljahr 2008 wieder kräftig investiert werden. Sein Statement musste der verunsicherte Regierungschef auf Bewährung zum Missfallen seiner Leute indes vom Blatt ablesen. In der Vorwoche hatte Stoiber noch über die vertrauten bundespolitischen Themen frei gesprochen.

Schienen viele in der CSU-Landtagsriege vor Weihnachten noch ganz besoffen vom Kreuther Geist der Rebellion, so wirkt er jetzt eher wie ein Betäubungsmittel. Denn inzwischen dämmert es den meisten CSU-Würdenträgern auch zu Hause in Bayern, dass es zu Stoiber zumindest im Moment keine Alternative gibt. Die zwischenzeitlichen Kronprinzen Erwin Huber und Günther Beckstein sind nicht mehr jung genug, und wer den einen will, könnte bei einer Kampfabstimmung den anderen bekommen. Der viel gelobte Fraktionschef Herrmann ist noch nicht so weit, Stoibers Erbe anzutreten. Und für den CSU-Vorsitz gibt es nur den Namen Horst Seehofer, der in der CSU-Landtagsriege nur einen kleinen Fanclub hat.

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