"Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt"
Genscher unterstreicht Glück der Wiedervereinigung

Der frühere Außenminister Genscher hat zum Tag der Deutschen Einheit an das Glück der Wiedervereinigung erinnert. Der ehemalige Stasiakten-Beauftragte Gauck sieht die deutsche Gesellschaft weiterhin gespalten.

HB BERLIN. Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) erinnert die Deutschen daran, die Wiedervereinigung als Glück zu empfinden. Es werde viel kritisiert, aber die DDR wünsche sich niemand zurück, sagte Genscher in der «Bild am Sonntag». Die Reformen wären auch ohne Vereinigung nötig geworden, so Genscher. Dies würden immer mehr Menschen im Westen Deutschlands verstehen. Der ehemalige Außenminister betonte: «Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt.»

Das Gesicht des Ostens habe sich grundlegend verbessert. Dort gehe es nicht um die Lasten der Einheit, sondern darum, die Hypotheken des Sozialismus zu bewältigen, sagte Genscher.

Der frühere Stasiakten-Beauftragte Joachim Gauck hält die deutsche Gesellschaft auch 14 Jahre nach der Wiedervereinigung für gespalten. Es gebe in Ost- und Westdeutschland zwei unterschiedliche politische Kulturen, sagte Gauck im Deutschlandfunk.

Westdeutsche seien im Meinungsaustausch und Streit geübt, im Osten sei man dagegen durch Anpassung aufgestiegen. «Wenn wir mal die unangenehmen Typen der beiden Gesellschaften metaphorisch charakterisieren wollen, dann hat der Wessi seine Hornhaut an den Ellenbogen und der Ossi auf den Knien», sagte Gauck.

Die Mehrheit der Ostdeutschen sei aber trotz Wahlerfolgen von PDS und Rechtsextremisten in der Demokratie angekommen. Gauck bemängelte allerdings die in ganz Deutschland vorhandene «fatale Neigung zur Angst».

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