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22.07.2008 
Im Gespräch mit: Martin Kannegiesser

„Wir können die Kaufkraft nicht zurückholen“

Hohe Tarifabschlüsse gab es noch im Frühjahr. Doch die Konjunktursorgen wachsen und den Beschäftigten der Metall- und Elektro-Industrie droht bei der Lohnrunde im Herbst ein Rückschlag. Gesamtmetallchef Martin Kannegiesser über das Dilemma der Lohnpolitik bei steigenden Rohstoffpreisen.

Gesamtmetall-Chef Kannegiesser: "Wenn die Spatzen die Abkühlung der Weltkonjunktur von den Dächern pfeifen, dürfen wir davor nicht die Ohren verschließen." Foto: APLupe

Gesamtmetall-Chef Kannegiesser: "Wenn die Spatzen die Abkühlung der Weltkonjunktur von den Dächern pfeifen, dürfen wir davor nicht die Ohren verschließen." Foto: AP

Werden die Metaller Opfer einer späten Lohnrunde?

Ehrlich gesagt, mir fällt es schwer, die Beschäftigten der Metall- und Elektro-Industrie als Opfer zu sehen. In den beiden jüngsten Lohnrunden waren unsere Tariferhöhungen doppelt bis dreimal so hoch wie im Durchschnitt der Wirtschaft. Seit Juni vergangenen Jahres haben sich die Tarifentgelte um 6,5 Prozent erhöht. Wir haben unsere hohen Tarifabschlüsse schon vor den anderen gehabt.

Die Metaller sollen also diesmal zurückstecken?

Es ist noch nicht allzu lange her, dass in der Tarifpolitik sogar über Nullrunden diskutiert werden musste. Wir haben uns aus diesem tiefen Loch herausarbeiten können – mit kräftigem Rückenwind der Weltkonjunktur, die jetzt aber dabei ist abzukühlen. Diese Abkühlung müssen wir berücksichtigen, wenn wir im Herbst über das Jahr 2009 reden. Die Betriebe müssen die Löhne von morgen aus den Einnahmen von morgen bezahlen, nicht aus den Umsätzen von gestern.

Wie stark drücken die kräftig gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise aufs Geschäft?

In einigen Sparten mit besonders hohem Rohmaterialanteil zeigen sich bereits jetzt erste konkrete Bremsspuren, dazu gehört etwa die Automobilzulieferindustrie. Zugleich wächst in der gesamten Industrie die Unsicherheit, weil die weitere Entwicklung so schwer kalkulierbar ist.

Die Rohmaterialanteile sind aber doch sehr unterschiedlich je nach Unternehmen.

Trotzdem schlagen die Kostensteigerungen über höhere Zulieferpreise wie ein Dominoeffekt auf immer weitere Bereiche der Industrie durch. Ich erlebe das in meinem Unternehmen – obwohl wir gerade nicht besonders materialintensiv produzieren: Hinter einer Reihe angekündigter oder schon durchgesetzter Preiserhöhungen von Lieferanten stehen die gestiegenen Rohstoffpreise. Einige Stahlanbieter kündigen sogar laufende Verträge, um höhere Preise durchzusetzen. Sehen Sie sich die Entwicklung der Eisenerzpreise an. Das hat es wirklich lange nicht gegeben.

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