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22.07.2008 

Nun malen Arbeitgeber vor Tarifrunden gern ein düsteres Bild. Warum soll die IG Metall das diesmal ernster nehmen als sonst?

Es wäre verantwortungslos, die Konjunktur schwach zu reden, nur um am Ende ein Lohnprozent zu sparen. Inzwischen geht es aber nicht mehr nur um Stimmungen und Einschätzungen, sondern auch um harte Fakten. Die Weltwirtschaft kann den Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise nicht einfach wegstecken, und das trifft dann gerade unsere so exportstarke Industrie. Das Jahr 1995 sollte uns ein warnendes Beispiel sein: Damals haben wir in eine erkennbare Abkühlung hinein einen zu hohen Abschluss gemacht mit den bekannten Folgen...

... mehr Produktionsverlagerung ins Ausland, Abwendung vom Flächentarifvertrag...

...jedenfalls ein enormer zusätzlicher Kostendruck. Wenn die Spatzen die Abkühlung von den Dächern pfeifen, dürfen wir davor nicht die Ohren verschließen.

Und was von alledem soll nun die Tarifpolitik abfangen?

Sie kann das alles nicht ausgleichen, aber natürlich verantwortet sie einen wichtigen Kostenfaktor. Immer mehr Unternehmen sind dabei, unter erheblichen Druck zu geraten, und diesen darf die Tarifpolitik nicht noch erhöhen. Man darf sie in keiner Richtung überfrachten und überfordern.

Ein Problem mit der Teuerung haben aber auch die Beschäftigten. Sie erwarten von der Lohnpolitik einen Inflationszuschlag. Zu Unrecht?

Wir sehen die Problematik für unsere Mitarbeiter wie für uns alle und stecken in einem Dilemma. Aber durch hohe Benzin-, Nahrungsmittel- und Rohstoffpreise geht die Kaufkraft nun einmal aus dem Land. Sie bleibt eben auch nicht bei den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie. Deshalb können wir abgeflossene Kaufkraft ebenso wenig durch Lohnerhöhungen zurückholen wie die Zentralbank durch Gelddrucken.

Ist dann nicht einmal Spielraum für einen Inflationsausgleich?

In einer solchen Situation ist Inflationsausgleich nicht ein automatischer Anspruch an unsere Betriebe. Wir müssen diesen Inflationsausgleich durch eine höhere Produktivität, mehr Innovationen und den Ausbau unserer Positionen auf den Weltmärkten erst erarbeiten. Wir müssen versuchen, dem Kaufkraftabfluss in die Rohstoffländer entgegenzuwirken.

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