Und wie stehen die Chancen, dass das gelingt?
Wir müssen nicht in Angst verfallen. Unsere Industrie ist heute im Durchschnitt deutlich stabiler aufgestellt als im jüngsten Abschwung. Zu den Realitäten, an denen sich Tarifpolitik für das Jahr 2009 orientieren muss, gehört neben der Preisentwicklung aber auch, dass sich die Lage auf unseren wichtigsten Absatzmärkten verschlechtert. Allein unsere klassischen Exportmärkte in Westeuropa und den USA tragen mit rund 300 Mrd. Euro jährlich fast ein Drittel zum Umsatz unserer Branche bei.
Die IG Metall stimmt sich auf eine höhere Forderung ein als die 6,5 Prozent vor der Lohnrunde 2007/08. Ein Grund zur Sorge?
Ich nehme die Diskussion zur Kenntnis. Die Ausgangslage ist objektiv schwierig. Denn neben Inflation und Konjunkturrisiken kommt das Gefühl mancher Arbeitnehmer hinzu, sie hätten vom Aufschwung nicht genügend profitiert. Das ist objektiv zumindest für unsere Branche falsch.
Warum?
Die deutschen Metallarbeitnehmer sind nach wie vor die bestbezahlten der Welt. Unsere Unternehmen haben nicht nur die Löhne erhöht, sondern zudem innerhalb von gut zwei Jahren 230 000 neue Stammarbeitsplätze geschaffen. Zugleich sind die Arbeitsplätze sicherer geworden, und neue Perspektiven für junge Leute entstanden. Unsere Unternehmen haben sich in der Phase des Aufschwungs mustergültig verhalten: Zunächst haben sie die teilweise gefährlich ausgedünnte Eigenkapitalausstattung verbessert, dann die Investitionen wieder gesteigert und dann Beschäftigung aufgebaut.
Nach dem laufenden Tarifvertrag konnten die Betriebe einen Teil der Lohnerhöhung für 2008 bei Bedarf etwas aufschieben. Wie viele haben das denn genutzt?
Konkret ist davon bisher kaum bis wenig Gebrauch gemacht worden, weil es den Unternehmen im Durchschnitt gut ging. Ein Argument gegen solche Differenzierungsklauseln ist das aber nicht. Auch im Flugzeug hat man immer eine Rettungsweste, obwohl sie – Gottseidank – fast nie gebraucht wird.
Das Gespräch führte Dietrich Creutzburg.


