Militärisch seien 16 000 Mann angesichts der aktuellen Lage völlig übertrieben. „3 000 würden vollkommen reichen“, sagt der erfahrene Diplomat. Nur aus politischen Gründen, um die serbische Minderheit nach einer Unabhängigkeitsentscheidung nicht zusätzlich zu verunsichern, sei die derart massive Militärpräsenz noch zu rechtfertigen.
Noch aber sorgen 2 300 Bundeswehrsoldaten im Süden, um die Stadt Prizren herum, für Sicherheit unter Serben, Albanern, Bosniaken und Roma. Mit ihren „Wölfen“ (Militärfahrzeuge von Mercedes) und „Dingos“ (gepanzerte und mit Maschinengewehr versehene Uniomogs) fahren sie dort ihre Patrouillen – oder sie gehen zu Fuß durch die Dörfer. „Wir sind so eine Art Latte-macchiato-Truppe“, witzeln die Soldaten bereits untereinander.
Viele von ihnen sind dafür zuständig, den Kontakt zu Bürgermeistern zu halten oder gelegentlich auch schon mal in Cafés Gespräche mit örtlichen Unternehmern zu führen und sich die Sorgen der Anwohner zu Herzen zu nehmen.
„Hier gibt es sonst niemanden, der sich engagiert“, reden die Brüder Sachi und Sabe Rama gerade auf einen deutschen Oberstabsfeldwebel ein. Ihr Haus im Dörfchen Musnikovo droht den Abhang zum Bistrica-Fluss hinabzurutschen. Die Frauen weinen und strecken ihre Finger hoch zu den größer werdenden Rissen im Gemäuer.
Der graubärtige Soldat wird fast pathetisch, als er sagt: „Ich verspreche, dass wir sie nicht allein lassen. Ich beobachte das sehr genau und werde bei den Zuständigen nachfragen“, sagt der Uniformierte.
Die Bitte, einen Bautrupp zu schicken, muss der Mann allerdings ablehnen. Er verweist auf Bürgermeister und Gemeinderat: „Das ist jetzt der neue Weg hier. Wir kümmern uns zwar um die Angelegenheiten, aber letztendlich machen müssen das die dafür Verantwortlichen.“
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