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20.03.2007 

Doch noch immer setzen die Menschen an der Bistrica mehr auf die Bundeswehr als auf die neu gewählten Ortskräfte. „Niemand sonst hilft uns doch wirklich. Der Bürgermeister macht doch nichts ohne den Druck der Bundeswehr“, meint Sachi Rama, der mit schwäbischem Akzent spricht. Er ist eigens aus Ulm gekommen, um seinem fünf Jahre älteren Bruder bei der Rettung seines Hauses zu helfen, berichtet der 60-jährige Bauarbeiter, der seit 1971 in Deutschland „ein bissle schafft“. Fingerspitzengefühl und Landeskunde sind inzwischen weit verbreitete Tugenden der deutschen Soldaten bei ihren Missionen im Ausland. Doch diese nagen immer mehr an ihrem Selbstverständnis als Uniformierte: „Das ist ein Job nicht für uns, sondern für Wachdienste“, meint ein Feldwebel. Und ein Hauptgefreiter beschreibt die Lage seiner Kameraden im Kosovo so: „Die größten Gefahren sind wilde Hunde und der Straßenverkehr. Da ist es schon sehr schwer, sich die ganzen vier Einsatzmonate lang zu motivieren.“

Hinzu kommt die Häme der Nato-Kollegen über die angebliche Hasenfüßigkeit, da man nur im Kosovo und nicht im heiß umkämpften Süden Afghanistans stationiert sei.

Dorthin lockt die Soldaten möglicherweise auch die höhere Zulage von 92,03 Euro täglich, vermutet Oberstleutnant Jürgen Rose. Der 48-Jährige verweigerte die Beteiligung am Tornado-Einsatz in Afghanistan, der jüngst im Bundestag beschlossen wurde. Die Bundeswehr hat den Verweigerer daher versetzt. Statt die logistische Unterstützung für die Afghanistan-Tornados zu planen, arbeitet Rose ab gestern in der Liegenschaftsabteilung seiner Einheit in Bayern.

Bislang ist er noch der einzige Afghanistan-Verweigerer der Bundeswehr. „Bei den jungen Soldaten überwiegt halt das Finanzielle“, sagt Jürgen Rose, „sie stellen die Risiken zurück.“ Zudem sei bislang bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr wenig passiert.

65 Tote bei allen Auslandsmissionen seit Ende des Kalten Krieges hatte die Bundeswehr bisher zu beklagen – deutlich weniger als verbündete Armeen.

Ob aber die deutsche Öffentlichkeit auf höhere Opferzahlen bei immer gefährlicher werdenden Auslandsmissionen vorbereitet sei? Generalmajor Rainer Glatz, der drei Monate lang den Befehlshaber des Einsatzführungskommandos vertrat, bezweifelt das.

Der Offizier beklagt zudem in dem Fachmagazin „Die Bundeswehr“: „Es ist fast schon absurd, die Wirksamkeit eines Einsatzes an Opferzahlen zu messen.“

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