Wird Strom teurer?
Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.
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BerlinIn der schwarz-gelben Koalition wächst die Sorge um die Kosten der Energiewende. „Es wird teurer für den Bürger“, sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle der „Welt“. „Wir brauchen über 4000 Kilometer neue Stromleitungen, wir brauchen Gaskraftwerke. Schon jetzt merken die Leute, dass die Stromrechnung nach oben geht.“

Deshalb gehe es nicht so weiter, dass „auf Teufel komm raus“ die Solarenergie gefördert werde, sagte Brüderle. „Wir geben gut sieben Milliarden aus für knapp drei Prozent der Stromerzeugung.“ Die Kosten für die Förderung zahlen die Verbraucher automatisch über ihre Stromrechnung mit.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) forderte daher eine Senkung der Stromsteuer. „Um das Schlimmste abzuwenden, schlage ich vor, die Stromsteuer künftig flexibel zu handhaben“, schrieb Zeil in einem Gastbeitrag für die „Bild am Sonntag“. Nach seinem Modell würde die Stromsteuer gesenkt, wenn die Kosten durch die Umlage für erneuerbare Energien steigen. Zeil nannte dies die „perfekte Strompreisbremse“: Wie bei einer Waage könne so die Belastung für Unternehmen und Bürger in erträglicheren Grenzen gehalten werden.

Brüderle sprach von einem überaus ehrgeizigen Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix bis zur Abschaltung der letzten Atomkraftwerke 2022 auf rund 40 Prozent zu steigern. „Wir werden eine ganze Reihe von Gas- und Kohlekraftwerken bauen müssen, möglicherweise mehr, als wir zunächst dachten“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Bisher gibt es zu wenig Anreize für den Bau konventioneller Kraftwerke als Ersatz für die Atommeiler. Denn es ist unklar, ob sie bei immer mehr Solar- und Windenergie genug Betriebsstunden bekommen.

Kürzungsvorschläge der Regierung bei der Solarförderung um bis zu 30 Prozent hatten die Länder mit Rücksicht auf bei ihnen beheimatete Solarfirmen abgelehnt. Nun muss im Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern eine Lösung gefunden werden. Brüderle betonte mit Blick auf die Förderung der Ökoenergien, es sei das Fatale an Subventionen, dass sie zu Fehlsteuerungen führten, gegen die dann neue Subventionen gefordert werden. „Aus dieser Teufelsspirale müssen wir raus.“

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4.500 Kilometer Stromleitungen nötig

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  • Bei der Sorge um die Kosten der Energiewende sollten sich unsere Politiker die Abrechnungen der Stromversorger mal genau ansehen. Eventuell liegt die festgestellte Kostenexplosion daran, dass der Strom aus Erneuerbaren irgendwie doppelt verkauft wird. Zur Verdeutlichung folgendes Beispiel:
    Laut meinen Stromzähler verbrauche ich sagen wir 1.000kWh Strom im Jahr. Dafür stellt mir mein Stromversorger eine Jahresabschlussrechnung über 1.000kWh. Der Strompreis enthält neben Steuern, Netzentgelt und Konzession auch die Umlagen für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und für Erneuerbare Energien (EEG). Der Strom, den die KWK und die Erneuerbaren liefern wird aber nicht von meinem Stromversorger an mich geliefert, sondern von den Netzbetreibern im Zuge der Stromdurchleitung ins Netz eingeschleust. Wenn der Anteil KWK und Erneuerbare sagen wir zusammen 15% des bezogenen Stroms beträgt, dann hat mir mein Stromversorger demnach eigentlich nur 850kWh geliefert und der Netzbetreiber 150kWh. Diese 150kWh werden über die Umlagen bezahlt, weil die Betreiber von EEG und KWK-Anlagen ihre Vergütung vom Netzbetreiber, also aus den Umlagen, erhalten. Dennoch muss ich meinem Stromversorger 1.000kWh Strom bezahlen, obwohl sein Anteil nur 850kWh beträgt. Die tatsächliche Stromproduktion der Stromversorger liegt also um den Anteil der EEG und KWK-Anlagen niedriger, dennoch wird so abgerechnet, als ob die Stromversorger den gesamten Strom produziert haben.

  • Die Energiewende nüchtern unter Berücksichtigung physikalischer Gesetze betrachtet:
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_energiewende_ist_bereits_gescheitert_teil_3/

  • Jo, so sieht die Kehrseite ökologischen Gutmenschentums aus, das die Dummheit der Massen, vor allem "grüner" hysterischer Weiber (an denen alles aus so extrem sexy wirkender Baumwolle ist) "gestrickt" wurde. Aber wir werden ja demnächst genug Jugendliche aus den südlichen EURO-Ländern hier zur Ausbildugn ebgüßen könne, die können dann die nötigen Gebirge zur Errichtung neuer Pumpspeicherwerke und die dazu unteren Auffangbecken anlegen... nur kann es sich etwas verzögern, wenn die Umweltfreunde dann ihre Bedenken hinsichtlich der Umweltzerstörung durch diese Baumaßnahmen bockierend in die Waagschalen des Verwaltungsgerichtsapparates werfen... das kann dauern. Was haben wir doch für eine außerordentliche kluge promovierte Physikern mit technischem und politischem Sachverstand, die auf diese geniale Weise für "Arbeti für alle" sorgt, auch wenn im Winter ein paar Leute fast erfrieren und manche Betriebe die Mitarbeiter wegen Netzausfall nach Hause schicken müssen! Das sind schlimmere Verhältnisse, als in der früheren DDR.

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