Wirken des Ausbildungspaktes nicht erkennbar
BA sieht keine Entspannung am Lehrstellenmarkt

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat sich die Lage am Ausbildungsmarkt im Juli trotz einer höheren Zahl bereits geschlossener Lehrverträge nicht entspannt. Anders als der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht BA-Chef Frank-Jürgen Weise auch noch keine Wirkung des gut sechs Wochen alten Ausbildungspaktes.

HB NÜRNBERG/BERLIN. Derzeit sei keine Besserung in Sicht, sagte Weise am Mittwoch in Nürnberg bei der Vorstellung der Arbeitsmarktbilanz für Juli. Eine Wirkung des Ausbildungspakts sei noch nicht erkennbar. Nach Angaben der BA war die rechnerische Lücke zwischen der Bewerberzahl und offenen Stellen bis Ende Juli mit rund 162 000 um gut 14 000 größer als vor einem Jahr. Weises Vorstandskollege Heinrich Alt sagte aber, die Lücke werde sich bis September noch deutlich verringern. Sie könnte jedoch größer ausfallen als Ende September vorigen Jahres mit gut 20 000 fehlenden Lehrstellen. „Mit der Umsetzung des Ausbildungspakts kann das Eintreffen dieser Vorausschätzung verhindert werden“, sagte Alt.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte mit Blick auf die neu geschlossenen Verträge, das Anziehen der Konjunktur beflügele offenbar auch den Ausbildungspakt. Die Lehrstellenlücke werde sich erfahrungsgemäß bis September verkleinern.

DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun äußerte sich in Berlin überzeugt, dass die Wirtschaft in diesem Jahr die Verpflichtungen aus dem Ausbildungspakt erfüllen werde. Er räumte jedoch ein, dass zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres Ende September noch etwa 20 000 bis 30 000 Jugendliche keine Lehrstelle haben würden. Bis Ende des Jahres sollten sie jedoch in einer Nachvermittlung untergebracht werden.

Im Ausbildungspakt mit der Bundesregierung hatten die Spitzenverbände der Wirtschaft Mitte Juni zugesagt, für drei Jahre im Durchschnitt jährlich 30 000 neue Lehrstellen sowie 25 000 Einstiegspraktika für schwer vermittelbare Jugendliche zu schaffen. Im Gegenzug hatte die Bundesregierung zunächst auf eine erwogene Abgabe für ausbildungsunwillige Betriebe verzichtet. In diesem Jahr ist Braun zufolge die Zahl der Schulabgänger noch um etwa ein Prozent höher als 2003. In den kommenden Jahren ist mit einem Rückgang der Abgänger und damit auch der Bewerber um Lehrstellen zu rechnen.

Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge liegt der BA zufolge jedoch weiterhin über dem Vorjahresniveau. Nach Angaben DIKH und des Handwerks seien bis Juli 282 600 neu abgeschlossene Lehrverträge gemeldet worden, teilte die BA mit. Dies seien 9400 oder 3,4 % mehr gewesen als bis Juli vorigen Jahres. Braun bezifferte den Anstieg allein für den DIHK-Bereich mit 3,9 %. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob diese Tendenz bis Ende September anhalte. Im Juni hatte die Zahl neuer Ausbildungsverträge noch bei Handwerk und DIHK zusammen um 3,9 % über dem Vorjahresstand gelegen.

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