5 Bewertungen ****
02.10.2008 
Neue Studien belegen Defizite

Wirtschaft drängt auf stärkeren Bürokratieabbau

von Max Haerder

Neue Studien machen Druck auf Bundesregierung und die EU: Milliardenkosten für deutsche Unternehmen verhindern Innovationen und Wachstum. Die Wirtschaftsverbände fordern nun entschlossene und kraftvolle Gegenmaßnahmen.

BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf fordert weniger Verwaltung für die Wirtschaft. Foto: dpaLupe

BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf fordert weniger Verwaltung für die Wirtschaft. Foto: dpa

BERLIN. Dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, geht der Bürokratieabbau nicht schnell genug. Bei der Vorstellung zweier Studien in Berlin kritisierte er die Bemühungen der Bundesregierung und der EU als unzureichend: "Die Finanzmarktkrise erfordert Gegenmaßnahmen, die Wachstum und Beschäftigung sichern helfen".

Schnappauf war Gastgeber für eine Veranstaltung des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft. Der hatte das IW in Köln beauftragt, Bürokratiekosten zu messen. Das Ergebnis: bei der Berechnung und Abführung von Steuern und Abgaben oder der Verwaltung der Künstlersozialabgabe, von Lohnfortzahlungen und Krankenversicherung summieren sich die Verwaltungskosten für deutsche Unternehmen auf knapp 14,7 Milliarden Euro pro Jahr. "Ein spürbarer Bürokratieabbau verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und sichert damit Jobs", sagte Schnappauf als Reaktion auf die neuen Zahlen.

Das weiß auch die Politik. In Brüssel kümmert sich mittlerweile Edmund Stoiber - selbst heute in Berlin als Gastredner im Haus der Deutschen Wirtschaft anwesend - als EU-Beauftragter um den Bürokratieabbau. Mit seiner 10-köpfigen Expertengruppe hat er sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2012 soll das Verwaltungsdickicht um ein Viertel gekappt werden. 150 Milliarden Euro könnten so eingespart werden, sagt Stoiber.

Konkret schlug Stoiber etwa vor, für kleine Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern, einer Bilanzsumme von unter 500 000 Euro und einem Umsatz von weniger als einer Million Euro sollte die Verpflichtung fallen, eine EU-Handelsbilanz zu erstellen. In diese Kategorie fallen 16 Millionen oder 80 Prozent aller europäischen Unternehmen. Ohne Unterstützung von EU-Parlament und Kommission kann er jedoch nicht handeln. Noch ist nichts passiert

.

Ähnlich Ziele hat sich auch die Bundesregierung vorgenommen: die Bürokratiekosten in Deutschland sollen bis 2011 um ein Viertel gesenkt werden. Seit 2006 gibt es dafür sogar das Regierungsprogramm "Bürokratieabbau und besserer Rechtsetzung".

Allerdings, so die Studien, habe das noch zu wenig Erfolg gebracht. Viele Unternehmen würden bislang keinen signifikanten Bürokratieabbau spüren, hieß es heute. Edmund Stoiber jedenfalls wusste, auf was er sich eingelassen hat: "Die Arbeit ist nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Das ist ein Bohren an dicken Brettern und erinnert häufig an Sisyphus. "

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Die Säulen der thailändischen Gesells...

    Die Säulen der thailändischen Gesellschaft

    Nation, Monarchie und Religion sind die drei Eckpfeiler, die den Rahmen der thailändischen Gesellschaft bilden. Die Stärke und Tragkraft der thailändischen Gesellschaft resultiert aus der Tragkraft dieser drei Säulen. Es ist der einzige Staat der dem Kolonialismus trot...Bildergalerie 

  • Thailands Flughäfen geräumt

    Thailands Flughäfen geräumt

    Aufatmen für Hunderttausende Touristen: Die thailändischen Regierungsgegner haben die Blockade der internationalen Flughäfen beendet. Bilder vom - zumindest vorübergehenden - Ende einer Krise.Bildergalerie 

  • Deutsch ins Grundgesetz?

    Deutsch ins Grundgesetz?

    „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ – diese Formulierung soll nach dem Willen der CDU in den Grundgesetz-Artikel 22 aufgenommen werden. Doch der neuerliche Beschluss erntet viel Kritik – auch innerhalb der eigenen Partei. Was sagen Befürworter und Gegner? Ein ...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Schmerz lass nach  Artikel in Merkliste

02.12.2008 von Oliver Stock

Die staatliche Kapitalspritze zugunsten der Commerzbank ist zum Zankapfel zwischen Brüssel und Berlin geworden. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes kritisiert, die Hilfen für die Bank hielten sich nicht an die Regeln. Doch sie schießt übers Ziel hinaus. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Die Falle von Bombay  Artikel in Merkliste

02.12.2008 von Christoph Rabe

Wenn Indien und Pakistan besonnen genug sind, dann können sie aus den Erfahrungen, die die Welt nach dem 11. September 2001 gemacht hat, aber zumindest eine Lehre ziehen: Mit unbedachten Reflexen räumen sie das Problem nicht aus dem Weg. Kommentar