Wirtschaft im Saarland: Das Oma und Opa Land

Wirtschaft im Saarland
Das Oma und Opa Land

In keinem anderen Bundesland kommen so wenig Kinder zur Welt wie im Saarland. Gleichzeitig steigt die Zahl der Alten rasant an. Die lokale Wirtschaft bietet jungen Leuten kaum Perspektiven.
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Düsseldorf/BerlinFür die Amerikaner ist der Florida der Bundesstaat zum Altwerden. Seine Bewohner haben das höchste Durchschnittsalter der USA. - jeder zweite von ihnen ist über 60 Jahre alt. Was Florida zum Rentnerparadies macht, sind vor allem wunderschöne Strände, an denen fast immer die Sonne scheint. In Deutschland könnte das Saarland beim Alterdurchschnitt der Bevölkerung bald auch ganz vorne liegen - allerdings aus völlig anderen Gründen.

Seit Jahren kommen im Saarland am wenigsten Kinder zur Welt: Im Jahr 2008 waren es grade mal 1,25 Kinder pro Frau. Bis 2030 wird die Zahl der Geburten in Westdeutschland an der Saar mit vermutlich 16 Prozent am stärksten sinken. Die Zahl der unter 25-Jährigen schrumpft dort sogar um 37 Prozent. Dagegen verdoppelt sich die Zahl der Alten fast. "Bei den alten Flächenländern wird das Saarland ein besonders hohes Geburtendefizit in Relation zur Bevölkerung haben", urteilt das Statistische Bundesamt. Einige Landstriche könnten dadurch fast völlig entvölkert werden.

Gut ausgebildete, junge Menschen dagegen kehren dem Land seit Jahren den Rücken. Dabei macht sich schmerzlich bemerkbar, dass kein großer Konzern seine Zentrale in dem Bundesland hat. Damit fehlen Topjobs in der Verwaltung und Forschung. "Wir haben zwar viele herausragende Produktionsstätten im Land, aber leider relativ wenige Konzernzentralen", klagt denn auch die bisherige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Das einstige Land von Kohle und Stahl dient vielen nur noch als verlängerte Werkbank. Ford etwa beschäftigt 6500 Menschen und steuert 30 Prozent des saarländischen Exports bei - die Zentrale aber residiert in Köln. Der Automobilzulieferer ZF kommt auf 6000 Beschäftigte, firmiert aber in Friedrichshafen (Baden-Württemberg). Sieben der zehn größten Industrieunternehmen des Landes produzieren lediglich an der Saar.

Das Saarland hat einen schweren Strukturwandel in der Montanindustrie hinter sich. Die letzte Kohlezeche - das Bergwerk Saar - schließt im Oktober. Heute prägt vor allem die Metall- und Elektroindustrie das Land: Neben Ford haben auch Bosch und Michelin dort Werke. Allerdings ist diese Branche sehr zyklisch, was sich während der Finanzkrise bemerkbar machte, als die Wirtschaft im Saarland deutlich stärker schrumpfte als in den übrigen Bundesländern.

In den vergangenen Wochen wurde das Saarland auch wegen seiner hohen Schulden häufiger mit Griechenland verglichen. Dieses Vorurteil ist durch die Zahlen nicht gedeckt. Das Saarland ist zwar mit 11,5 Milliarden Euro verschuldet - was einer Pro-Kopf Verschuldung von 11 246 Euro entspricht. In Bremen (27 653 Euro), Berlin (17 695 Euro) und Hamburg (11 862 Euro) sieht es aber noch schlimmer aus.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Wirtschaft im Saarland: Das Oma und Opa Land"

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  • Also mal generell gesprochen, was heißt es gibt hier keine Zentralen, was ist denn mit den Dillinger Hüttenwerken, DIE Adresse für Stahl weltweit und größtenteils in saarländischer Hand.
    @ aruba,ich als Saarländerin, muss mich für Ihren Beitrag fremdschämen.Der ganze Beitrag klingt einfach nur nach Sozialneid und vor allem nach ''Linken-Klientel''(sie wohnen nicht zufällig in Burbach oder VK?) Vor allem die ''Schnepfe'' die ja auch immerhin schon seit 6 Monaten regiert, hat mit Sicherheit damit etwas zu tun -.- Ich kenne einige Leute die ''schöne Häuser und dicke Autos'' besitzen, nur arbeitet NIEMAND in Luxemburg.Manche arbeiten gerademal einen Kilometer von ihrer Haustür weg^^ Dass die Grundstückspreise im Keller sind, wär mir auch neu...120000€ für 10ar finde ich jetzt nicht soooo kellerpreisig^^
    ALso wie gesagt, das Saarland mag zwar einen demographischen Wandel durchmachen, aber momentan haben wir das beinahe höchste Wirtschaftswachstum deutschlandweit, ich bin optimistisch für unser Land :)

  • Nun ja, es gibt sicherlich landschaftlich und wirtschaftlich attraktivere Gegenden in Deutschland. Aber ein paar Zahlen von www.destatis.de herunterzuladen und alle drei Wochen (06.02.2012) unter einer anderen Überschrift neu aufzuwärmen erscheint mir doch ein wenig oberflächlich.

  • Guten Tag,... Frueher sah es in Lothringen Lorraine schlimmer aus als im Saarland. Die Doerfer Staedte und Gemeinden waren in Dritte Welt Zustand. Seit einigen Jahren hat sich die Situation grundlegend geaendert. Das Saarland ist ein Arme-Leute Land geworden. Wenn Sie dicke Autos oder schoene Haeuser sehen;.... dann koennen Sie darauf wetten dass es sich um Grenzgaenger nach Luxemburg handelt. Die Schnepfe die das Saarland regiert hat keinerlei Schimmer von den Problemen der kleinen Leute. In den Doerfern sterben erst die Kneipen,... dann die Schulen,..dann die Leute. Die Grundstueckspreise sind total im Keller;.... und werden nie wieder herauskommen. Sollte in Luxemburg die Arbeitslosigkeit auch weiter ansteigen dann gibt es bald billige Haeuser im Saarland;.. denn dann sacken auch die Preise der " schoenen Immobilien " gewaltig durch. Dies gilt auch fuer den Bereich Belgien Province de Luxembourg und die nahe Lorraine. Es ist eine Schande. Denn die Saarlaender haetten Besseres verdient.Besten Dank

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