Wirtschaft lobt SPD-Abgeordnete
Ypsilantis Scheitern beflügelt Börse

Das Aufatmen ging quer durch die Branchen - und es war nicht nur in Hessen deutlich vernehmbar. Auch in Berlin machte sich am Montag Erleichterung breit, nachdem bekanntgeworden war, dass vier SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti die Gefolgschaft verweigern und die angestrebte Wahl zur Ministerpräsidentin damit gescheitert ist. Die Aktien einiger Unternehmen, die Leidtragende des von Ypsilanti angestrebten Kurses geworden wären, legten deutlich zu.

BERLIN. Der Bundesverband der Deutschen Industrie reagierte diplomatisch: Man sei "sehr erleichtert, dass Hessen ein extrem wirtschaftsfeindliches Politexperiment erspart bleibt", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf dem Handelsblatt. Weniger konziliant äußerten sich Unionspolitiker: "Der Versuch der hessischen SPD mit ihrem energiepolitischen Chefideologen Hermann Scheer, das Bundesland zu einem sozialistisch-zwangsökologischen Musterland zu machen, ist grandios gescheitert", sagte Joachim Pfeiffer (CDU), energiepolitischer Koordinator der Unionsfraktion im Bundestag.

Insbesondere die Energiebranche hätte sich erheblich umstellen müssen, wenn Ypsilanti sich durchgesetzt hätte. Sie und ihr designierter Wirtschaftsminister, der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, hatten einen radikalen Kurswechsel angekündigt. So wollte Scheer etwa dafür sorgen, dass das Industrieland Hessen binnen fünf Jahren die Strommengen der beiden von RWE betriebenen hessischen Kernkraftwerke Biblis A und B vollständig durch erneuerbare Energien ersetzt und bis 2025 seinen Strombedarf zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energiequellen deckt. Auch der Eon-Konzern wäre betroffen gewesen. Das Unternehmen plant an seinem Standort Staudinger den Neubau eines Steinkohle-Blocks. Eine rot-grüne Landesregierung hätte versucht, dies zu verhindern. Weder Eon noch RWE wollten am Montag zum Scheitern Ypsilantis Stellung beziehen. In der Branche hieß es jedoch, man empfinde es als eine Erlösung, dass die "hanebüchenen energiepolitischen Ideen von Frau Ypsilanti und Herrn Scheer" nun vom Tisch seien.

Harte Einschnitte waren auch für den Flughafenbetreiber Fraport vorgesehen. SPD und Grüne hatten in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, ein Nachtflugverbot für den Frankfurter Flughafen durchzusetzen und den geplanten Ausbau des Flughafens aufzuschieben. Erst Ende vergangener Woche hatte Fraport massiv gegen die Pläne einer von der Linkspartei tolerierten rot-grünen Koalition in Hessen Stimmung gemacht und kritisiert, der Aufschub des Ausbaus gefährde die Wettbewerbsfähigkeit von Fraport und habe "erhebliche finanzielle Auswirkungen" auf das Unternehmen. Nun kann Fraport wieder hoffen. Das Unternehmen will mit der Inbetriebnahme der Landebahn im Nordwesten des Flughafens ab 2012 einen Wachstumsschub auslösen.

Hätte sich der Ausbau auf Betreiben einer rot-grünen Landesregierung verzögert, wären dem Flughafenbetreiber nach Einschätzung von Analysten pro Jahr Erträge im dreistelligen Millionenbereich durch die Lappen gegangen. Zudem hätten sich wichtige Kunden wie die Deutsche Lufthansa womöglich auf andere Drehkreuze konzentriert. Das Scheitern Ypsilantis gab der Fraport-Aktie starken Auftrieb. Das Papier legte am Montag zeitweise um bis zu 13 Prozent zu.

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