Wirtschaft muss Kröten schlucken
Schröders sechste China-Tour

Bundeskanzler Gerhard Schröder ist zu einer fünftägigen Reise nach China und Japan aufgebrochen. Am Montag wird er in Peking mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao zusammentreffen. Bei dem Gespräch wird es voraussichtlich auch um eine mögliche Aufhebung des seit 15 Jahren bestehenden EU-Waffenembargos gegen China gehen.

HB BERLIN/PEKING. Bald braucht Gerhard Schröder nur noch per Krisen-Hotline zum Hörer greifen, will er mit Chinas Führern rasch ein Problem regeln. Die endgültige Freischaltung des „roten Telefons“ zwischen Berlin und Peking gehört zum Beiwerk der zahlreichen Vereinbarungen, die der Bundeskanzler in den kommenden Tagen in Chinas Hauptstadt in Empfang nehmen will.

Als Vertriebschef für Fernost zieht es den bekennenden „Cheflobbyisten“ für deutsche Wirtschaftsanliegen erneut ins Reich der Mitte. Kein Land außerhalb der EU hat er so oft besucht. Das Versprechen, mindestens einmal im Jahr dort Station zu machen, hat er bislang eingehalten. Die jüngste China-Tour vor genau einem Jahr möchte man im Kanzleramt zwar am liebsten vergessen: Der voreilig angebotene Verkauf der Hanauer Plutonium-Fabrik, die Forderung nach Aufhebung des EU-Waffenembargos, dazu recht sparsame Worte zur Menschenrechtslage in China trieben damals zu Hause den Grünen- Koalitionspartner und auch Teile der SPD auf die Barrikaden.

Solche Missklänge soll es beim sechsten Kanzler-Besuch nicht geben. Im Chinesischen gilt die 6 nämlich als ausgesprochene Glückszahl und als Symbol für Langlebigkeit. Durchaus eindrucksvoll ist jedenfalls die lange Bestellliste, mit der der Kanzler auch daheim Eindruck machen will.

Sie reicht von Großaufträgen für Airbus-Flugzeuge und Siemens- Lokomotiven bis hin zum Import von deutschen Rindersamen für chinesische Bullen. Ein Fahrlehrer aus Schröders Heimatstadt Hannover unterzeichnet einen Vertrag, um möglichst vielen der 1,3 Milliarden Chinesen theoretische Fahrkünste nach deutschen Regeln beizubringen. Dazu gibt es künftig auch die weltweit größte Autozeitschrift „Auto- Bild“ auf Chinesisch. Eingeplant sind 40 Millionen Leser.

Doch trotz aller Euphorie über die Bestellungen aus dem Boomland in Fernost kann sich die deutsche Industrie nicht länger auf ihrem Vorsprung als größter Handelspartner Chinas in Europa ausruhen. Die Konkurrenz holt kräftig auf. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac kam etwa im Oktober mit Aufträgen im Wert von vier Milliarden Euro aus Peking zurück, was Schröders Delegation wohl kaum toppen dürfte.

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