Wirtschaft und Gewerkschaften ziehen an eine Strang
Gesundheitsreform in der Kritik

Selten sind Arbeitgeber, Gewerkschaften und Sozialverbände einer Meinung. Die Gesundheitsreform macht in dieser Hinsicht Unmögliches möglich. Alle drei Gruppen halten sie für ein Misserfolg.

HB BERLIN. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erwartet, dass die angepeilte Senkung der Krankenkassenbeiträge nicht erreicht wird und gibt Rot-Grün eine Mitschuld daran. Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer sieht den „Erfolg“ nach 100 Tage Gesundheitsreform „darin, dass die Leute mehr zuzahlen und nicht mehr zum Arzt gehen“. Dies gilt nach Feststellung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vor allem für arme Menschen. Die FDP kündigte ein neues Modell an, das das Ende der gesetzlichen Kassen bedeuten würde.

Das Bundesgesundheitsministerium wies Sommers Kritik am Ostermontag scharf zurück. Der DGB-Chef wisse, dass zum Erhalt der gesetzlichen Krankenversicherung gespart werden müsse, sagte eine Sprecherin. „Herr Sommer muss aufpassen, dass er nicht an der Seite des unverbesserlichen Ärztestandesvertreters Hoppe landet.“ Jörg- Dietrich Hoppe ist Präsident der Bundesärztekammer und hat mehrmals vor Leistungseinschränkungen als Folge der Gesundheitsreform gewarnt.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband teilte in Berlin mit, viele Behinderte, Suchtkranke, Obdachlose und Menschen in Alten- und Pflegeheimen könnten sich den Gang zum Arzt nicht mehr leisten. Dies habe ein Gutachten zu den Folgen der Reform ergeben. Danach hätten Zuzahlungen und Eigenbeteiligungen die Gesundheitsversorgung von mehr als 400 000 Menschen massiv verschlechtert. Der Wohlfahrtsverband fordert deshalb, die Betroffenen völlig von der Zuzahlungspflicht zu befreien. Seit dem 1. Januar müssen sie bis zu zwei Prozent des Sozialhilfe-Regelsatzes selbst tragen, das sind 71,52 € jährlich.

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