Wirtschafts- gegen Verkehrsministerium
Regierung streitet um E-Auto-Quote für Deutschland

Geht es nach dem Wirtschaftsministerium, soll es bald verbindliche Ziele für Elektro-Autos geben. Nur so könne Deutschland Automobilland Nummer 1 bleiben. Die Industrie und das Verkehrsministerium stellen sich aber quer.
  • 9

BerlinDie Debatte über zu hohe Abgaswerte von traditionellen Verbrennungsmotoren gibt Überlegungen in Deutschland und der EU zu verbindlichen Zielen für E-Autos einen Schub. „Wir wollen, dass Deutschland auch in Zukunft das Automobilland Nummer 1 ist“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Themen wie Digitalisierung und neue Technologien bei Antrieben entschieden darüber, wer künftig an der Spitze stehen werde. „Deshalb sollten wir auch über ein verbindliches Ziel für den Hochlauf der Elektromobilität in Europa und damit auch in Deutschland sprechen“, sagte er. „Mobilität wird künftig neu gedacht, die ganze Autobranche steht daher vor einem großen Umbruch, den sie mit Innovationen meistern wird“, ergänzte er.

Der SPD-Politiker reagierte mit seinen Äußerungen auf Überlegungen der EU-Kommission über eine verbindliche Quote für emissionsarme Fahrzeuge wie Elektroautos in Europa ab 2025. Über diese Pläne hatte das Handelsblatt exklusiv berichtet. Eine konkrete Mindestabsatzquote könnte neben schärferen Grenzwerten für CO2 bereits Teil eines Maßnahmenpakets zur klimaschonenden Mobilität werden, das die Kommission Ende bis zum Jahresende vorlegen werde. Die deutschen Autohersteller lehnen eine solche Quote ab. „Wir halten derartige Verkaufsquoten grundsätzlich für den falschen Weg“, hieß es vom Branchenverband VDA.

Das Bundesverkehrsministerium will nichts von der mittelfristigen Einführung einer Quote. „Ich kenne keinen Vorschlag zu einer Quote“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Montag. Das Ministerium wollte sich nicht festlegen, welche Antriebsart die Zukunft prägen könnte. „Deshalb plädieren wir an dieser Stelle für Technologieoffenheit“, unterstrich der Sprecher. „Wir wollen, dass Deutschland ein Automobilland bleibt“, ergänzte er.

In dem für die deutschen Autohersteller wichtigen Markt China steht die baldige Einführung einer E-Auto-Quote schon in wenigen Jahren an. Bei den deutschen Autobauern lösten diese Pläne massive Sorgen aus. Inzwischen ist davon die Rede, dass die Quote 2019 gelten soll und damit ein Jahr später als zunächst geplant.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wirtschafts- gegen Verkehrsministerium: Regierung streitet um E-Auto-Quote für Deutschland"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Herr Kurt Küttel07.08.2017, 14:06 Uhr

    "Hier geht es doch nur in zweiter Linie um die Umwelt, denn sonst würde man anfangen das E-Auto einmal zu hinterfragen."
    So isses, Herr Küttel. Empfehle Ihnen folgenden Welt Artikel:

    https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article167436953/Naiver-dummer-deutscher-Masochismus.html

    Zitate:
    "Einen Tesla S muss man acht Jahre fahren, damit er in der CO2-Bilanz besser dasteht als ein Verbrennungsmotor. Das wird man vom coolen Typen Elon Musk aber niemals hören. Er ist schließlich kein Image-Masochist....

    BMW, Daimler und VW dagegen sind deutsche Firmen, auch sie nutzen steuerliche Schlupflöcher, ohne Zweifel. Sie beschäftigen hierzulande, Zulieferer eingerechnet, jedoch Millionen von Arbeitern. Diese zahlen Steuern auf ihr Einkommen. Dazu beschäftigt ein DAX-Unternehmen der Größe von Daimler im Schnitt ein Drittel seiner Leute im Inland. Der Umsatz findet durchschnittlich nur zu elf Prozent im Inland statt, bei den Ertragsteuern fallen jedoch rund die Hälfte hier an. ....

    Wirtschaftlich und moralisch ist der volkswirtschaftliche Schaden, den Google, Facebook, Apple, Starbucks – und wie die innovativen US-Marktführer alle heißen – verursachen absurd hoch. Apple: zahlte von 2003 bis 2014 auf all seine Gewinne in Europa ein Prozent Steuern. Apple soll laut Schätzungen 74 Milliarden Euro Steuern in Europa durch Tarnfirmen vermieden haben. 74 Milliarden, mit denen man eine Menge Umweltpolitik machen könnte. ....

    Elon Musk mutet seinen Arbeitern in den Tesla-Fabriken Bedingungen zu, die Betriebsräte bei Daimler, BMW oder VW schon in den 60er-Jahren auf die Barrikaden gebracht hätten. Egal – Elektro klingt halt so sauber. WhatsApp aus dem US-Imperium hat ein neues Feature – dann berichten wir mal fröhlich und selbstverständlich journalistisch, wo eigentlich „Werbeanzeige“ drüberstehen müsste. "

  • Da wird doch versucht, eine Kette vom letzten Glied her aufzuzäumen.
    Liebe Politik; ich glaube, dass mindestens jeder 2. Bürger sehr gern ein E-Auto kaufen würde, wenn:
    -eine annehmbare Reichweite erreicht wird
    - ein bezahlbarer Preis auch für Familien und Normalverdiener erreicht ist
    - entsprechende Mengen an Strom zur Verfügung stehen, die ökologisch vorteilhafter erzeugt werden, als die Verbrenner das aktuell tun.
    Aus meiner Sicht ist in der Breite noch nicht einer der Faktoren erreicht. Aber man diskutiert über Quoten und Ausstiegsdaten.
    Da kann man doch gleich festlegen, dass 2050 Menschen auf dem Mars eine Stadt gründen und danach mal überlegen anfangen, wie man eigentlich die Ressourcen da hin bringt.

  • Niemand scheint zu bemerken das die EU gezielt versucht Deutschland zu schwächen. Hier geht es doch nur in zweiter Linie um die Umwelt, denn sonst würde man anfangen das E-Auto einmal zu hinterfragen. Elon hat seine Jünger ja auch schon hinter sich versammelt. Diese Lemminge sind total unkritisch und glauben ihm jedes Wort.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%