Wirtschaftsbetrug und Spionage
Wirtschaft beklagt Milliardenschäden durch Kriminalität

Der deutschen Wirtschaft entstehen nach eigenen Angaben durch Straftaten jährlich Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe. Letztlich werde damit auch das Wachstum der deutschen Volkswirtschaft beeinträchtigt.

Reuters BERLIN. „Die Sicherheitslage für die deutsche Wirtschaft bleibt angespannt“, erklärte am Dienstag die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW) in Berlin, der unter anderem die großen Spitzenverbände angehören. Es gebe Anzeichen, dass sie sich noch verschlechtern könnte. Besonders hoch seien die Schäden durch Wirtschaftskriminalität, auf die zwar nur 1,7 Prozent der erkannten Straftaten entfielen, die aber rund 60 Prozent der Gesamtschäden ausmachten. Beim Anlagebetrug etwa erwarteten die Experten weitere Anstiege.

Angesichts der hohen Kriminalität forderte die ASW von Politik und Unternehmen, trotz schlechter Kassenlagen nicht an Sicherheitsausgaben zu sparen. „Sicherheit ist nicht nur ein simpler Kostenfaktor“, warnte der stellvertretende ASW-Vorsitzende Michael Sorge.

Die AWS ist eine Zentralorganisation der deutschen Wirtschaft, die ihre Erkenntnisse aus Berichten der Sicherheitsbehörden, Nachrichtendienste und aus dem eigenen Mitgliedskreis bezieht. Ihr gehören unter anderem der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) an. Getroffen werde die Wirtschaft direkt und indirekt nicht nur von der allgemeinen Kriminalität, wie Einbrüche, Diebstähle, Raubüberfälle und Ähnliches. Hinzu kämen alle Formen von Wirtschaftskriminalität - Anlagebetrug, Korruption, Spionage, Internet-Kriminalität, Produkt- und Softwarepiraterie sowie Steuer- und Zollkriminalität. Auch die Abwehr der Bedrohungen durch den internationalen Terrorismus verursachen für die Wirtschaft hohe Kosten.

Die ASW sorgt sich nach den Worten ihres Vorsitzenden Berthold Schweiger, weil seit dem Jahr 2000 die allgemeine Kriminalitätsziffern in Deutschland wieder ansteigen, im Jahr 2002 beispielsweise um 2,3 Prozent. Die Kriminalitätsstatistik weise ein deutliches Nord-Süd-Gefälle in den Flächenstaaten zu Ungunsten der nördlichen Länder aus. Kriminalität sei auch ein Standortfaktor für Wirtschaftsunternehmen bei Ansiedlungen, warnte die Arbeitsgemeinschaft.

ASW fordert mehr Aufmerksamkeit gegenüber Spionage

Mehr Aufmerksamkeit der Unternehmen und der Politik ist nach ASW-Angaben in Hinblick auf Wirtschafts- und Konkurrenzspionage angebracht. Von den Staaten seien es insbesondere Russland, China, Nordkorea und Iran, die lebhaft Wirtschaftsspionage in Deutschland betrieben, um für sie wichtiges technologisches Wissen auszuforschen. Daneben seien deutsche Firmen aber auch das Ziel von Ausforschungen konkurrierender Unternehmen.

Das Ausmaß der Wirtschaftskriminalität, die Schnittstellen mit der organisierten Kriminalität aufweise, sei Besorgnis erregend, sagte Sorge. Für 2001 sei unter Experten von über 13 Milliarden Euro an Schäden dadurch die Rede. Im Blick behalten müsse man dabei auch die Korruption. „Von Korruption betroffen sind nahezu alle Ressorts der öffentlichen Leistungs und Eingriffsverwaltung“, heißt es im ASW-Bericht. Ein weiterer sehr schadensintensiver Bereich seien zunehmende Transportdiebstähle, die europaweit Schäden von jährliche mindestens 30 Milliarden Euro verursachten. Produktfälscher hätten inzwischen in Internet-Auktionen ein wichtiges Vertriebsfeld gefunden.

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