Wirtschaftsforscher
„Ich gebe dem Euro noch drei bis sechs Monate“

In der Euro-Zone wächst die Angst vor dem nächsten Crash an den Finanzmärkten, vor allem weil die Politik nur in Trippelschritten einer Lösung näher kommt. Ökonomen fordern rasches Handeln.
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DüsseldorfNach Einschätzung des Direktors des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, bleibt den Euro-Regierungschefs nicht mehr viel Zeit, die Euro-Schuldenkrise zu bewältigen. „Ich gebe dem Euro noch drei bis sechs Monate, wenn nichts geschieht“, sagte Horn Handelsblatt Online. Dabei gebe es Möglichkeiten, ihn zu retten.

Die erste Möglichkeit ist nach Ansicht Horns ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB), die das Zinsniveau für die Anleihen der Krisenländer auf ein durchhaltbares Niveau zurückführen müsse. „Dies könnte rasch geschehen und ruft unter den gegenwärtigen Umständen keine Inflationsgefahren hervor“, sagte der IMK-Chef. Die zweite Möglichkeit wäre der Internationale Währungsfonds (IWF), der Erfahrung in der Bewältigung von Leistungsbilanzkrisen habe. „Allerdings käme dies dem Eingeständnis des Euro-Raums gleich, seine Probleme nicht mehr selbst lösen zu können“, so Horn. „Damit nähme auch der Einfluss der USA, Japans und auch Chinas auf die europäische Wirtschaftspolitik deutlich zu.“

Der frühere Berater der Europäischen Zentralbank, Hans-Peter Grüner, machte sich für Interventionen der EZB stark. Ziel solle zwar sein, die EZB-Interventionen am Sekundärmarkt unnötig zu machen, sagte der Wirtschaftsprofessor an der Universität Mannheim Handelsblatt Online. „Ich finde aber nicht, dass die EZB weitere Interventionen am Sekundärmarkt jetzt schon kategorisch ausschließen sollte.“ Grüner betonte: „Wer gegen Italien spekuliert muss vermutlich mit dem EFSF und mit der EZB rechnen.“

Gleichwohl ist Grüner überzeugt, wenn die Mittel des Eurorettungsfonds EFSF über eine Hebelung verdreifacht würden, gebe das Italien und Spanien genug Zeit, um weitere glaubhafte Konsolidierungssignale zu senden. Der gehebelte EFSF sei in der Lage, die weitere Ausbreitung der Schuldenkrise zu verhindern, wenn alle Staaten – auch Frankreich – in ihren Anstrengungen nicht nachlassen. Ein „sinnvoller Beitrag“ wäre zudem, wenn der IWF beim EFSF einsteige, fügte der Mannheimer Ökonom hinzu.

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  • I W F sollte in SCHULDENFOND-Verwaltung umgenannt werden.
    Wer soll denn diese utopischen Schulden gegebenenfalls noch zahlen.

    Dieser ständigen Rettungsschirm-Erweiterung sollte ein Ende gemacht werden!!!

  • zu Ihrem Zitat: "Führt Deutschland die D-Mark wieder ein, würde sie wiederum mit ziemlicher Sicherheit drastisch an Wert gewinnen - was Gift für die Konzerne wäre, die auf den Export und die boomenden Märkte in Asien setzen. Fast alle Vorteile des Euro, von denen Deutschland in den vergangenen Jahren überproportional profitiert hat, wären zunichte gemacht."
    Wäre es wirklich ein so herber Verlust, die beständig zunehmende Machtkonzentration der Großkonzerne auf diese Art etwas einzubremsen und dem Mittelstand wieder mehr Raum und Chancen einzuräumen? Wo realisieren die Großkonzerne denn ihre Gewinne? Sicher nicht in Deutschland. Hierwird doch nur Förderungen mitgenommen und abgeschrieben was das Zeug hält...

  • Das ganze liest sich so diametral verschieden zu den US-Finanzblogs, welche weit mehr auf sachlicher Ebene - unterlegt durch Berechnungen und Graphen - fußen.

    Dort rufen die Äußerungen der Euro-Optimisten in Europa nur noch Gelächter, bestenfalls Bedauern, hervor.

    Denn ein Problem wurde in der Eurozone nicht beleuchtet, geschweige denn gelöst: Die völlig verschiedenen heterogenen Wirtschaften der einzelnen Staaten. Und dieses Problem ist nicht auszumerzen, es sei denn, man lässt hiesige Menschen für den (zurecht) "reformunwilligen" Süden massiv mitarbeiten.

    Das wird politisch nicht durchsetzbar sein.

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