Wirtschaftsforscher
IfW bleibt bei 2,1-Prozent-Wachstumsprognose

Trotz des starken Euro und des konstant hohen Ölpreises bleibt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) bei seiner optimistischen Wachstumsprognose für Deutschland in diesem Jahr. Die Experten aus Schleswig-Holstein führen dafür ausgleichende Faktoren ins Feld.

HB KIEL. Die Forscher erwarten, dass der robuste Außenhandel und ein lebhafter Konsum vor der Mehrwertsteuererhöhung negative Einflüsse ausgleichen. Zugleich geht das IfW davon aus, dass Deutschlands Haushaltsdefizit bereits in diesem Jahr deutlich unter die Obergrenze des Euro-Stabilitätspaktes von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts kommt, und rechnet für 2007 nur noch mit 2,2 Prozent.

Erstmals seit dem Jahr 2000 werde die Inlandsnachfrage in diesem Jahr wieder einen deutlichen Beitrag zum Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion leisten, betonte das IfW am Mittwoch. Im kommenden Jahr wird die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöht, daher zögen die Verbraucher größere Anschaffungen auf dieses Jahr vor. Die sechs führenden Wirtschaftsinstitute, zu denen auch das IfW gehört, sagen für Deutschland in diesem Jahr ein Wachstum von 1,8 Prozent voraus.

Im kommenden Jahr wird nach Ansicht des IfW die Erhöhung der Mehrwertsteuer allerdings negativ durchschlagen: Für 2007 erwarten die Forscher weiterhin eine deutliche Abkühlung der Konjunktur und ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von nur noch 1,2 Prozent. „Am stärksten dämpfend wirkt die Finanzpolitik, denn die Steuerlast wird deutlich erhöht“, schreibt das Kieler Institut. Dämpfend werde auch die langsamere Expansion der Weltwirtschaft und die höheren Leitzinsen wirken.

Die Bundesregierung betonte, der negative Effekt der Mehrwertsteuererhöhung werde überschätzt. Auch 2007 werde es in Deutschland „ein ganz ordentliches Wachstum“ geben, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach am Mittwoch in Berlin. Positiv werde sich die parallel durchgeführte Senkung der Lohnnebenkosten um zwei Prozentpunkte auswirken.

Das deutsche Staatsdefizit wird nach Einschätzung des Kieler Instituts deutlicher unter drei Prozent liegen als bisher angenommen. In diesem Jahr rechnet das IfW mit einem Rückgang der Neuverschuldung auf 2,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und 2007 auf 2,2 Prozent. Im Frühjahr waren die Wirtschaftsforscher aber noch von 2,9 Prozent für 2006 und 2,5 Prozent für 2007 ausgegangen.

Grund für den Optimismus ist unter anderem die rückläufige Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sowie die Kürzung von Steuervergünstigungen und Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit. Die Erholung der Konjunktur sorge dafür, dass die gewinnabhängigen Steuern wie etwa die Körperschafts- und die Gewerbesteuer, kräftig ansteigen.

Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hält es weiter für möglich, dass Deutschland die Defizitvorgaben des Euro- Stabilitätspaktes schon in diesem Jahr erfüllt. Offiziell hat er aber eine Defizitquote von 3,3 Prozent an die EU-Kommission gemeldet. Die EU-Kommission ging im Mai von 3,1 Prozent aus. Hält Deutschland die Defizit-Vorgabe ein, wäre es das erste Mal seit 2001.

Für die Industrieländer sagt das IfW für 2006 weiterhin ein Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent voraus, das sich 2007 auf 2,6 Prozent abschwächen werde. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird dem IfW zufolge ihren Leitzins in diesem Jahr von derzeit 2,75 auf 3,25 Prozent anheben und 2007 auf diesem Niveau belassen.

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