Wirtschaftsforscher kritisiert Arbeitsmarktreformen
Ifo-Chef Sinn fordert niedrigere Löhne

Der Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, erhofft sich von einer Senkung der Löhne im Niedriglohnsektor einen erheblichen Beschäftigungsimpuls. Er spricht sich dafür aus, die Niedriglöhne um 30 Prozent zu senken.

HB MÜNCHEN. Um einen Bechäftigungsschub im Niedriglohnbereich auszulösen, fordert der Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), Hans-Werner Sinn, eine drastische Senkung der Löhne. Die heutigen Niedriglöhne müssten um ein Drittel fallen, erklärte Sinn am Freitag in München.

Zugleich kritisierte er, dass die SPD-Linke im SPD-internen Streit über die Arbeitsmarktreformen durchgesetzt hatte, dass arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger nur Arbeit zu ortsüblichen Vergleichlöhnen annehmen müssen. Sinn schlug stattdessen vor, den Eckregelsatz der Sozialhilfe für Erwerbsfähige zu senken und im Ausgleich großzügige Hinzuverdienstmöglichkeiten bei gleichzeitiger Zuzahlung zu geringen Einkommen einzuführen.

Sinn bezeichnete es als eine deutsche Krankheit, dass die Arbeitslosigkeit bei den gering Qualifizierten im internationalen Vergleich besonders hoch ist. „Vierzig Prozent der deutschen Arbeitslosen sind formell gering qualifiziert, und auch bei den restlichen sechzig Prozent massiert sich die Arbeitslosigkeit unter den weniger gut Qualifizierten.“ Ursache dafür seien die zu hohen Löhne gering Qualifizierter, die durch die Arbeitslosen- und Sozialhilfe nach oben getrieben worden seien. Dadurch würden „Anspruchslöhne“ geschaffen, die über der Produktivität der Betroffenen lägen.

Sinn kritisierte, die von der SPD-Linken durchgesetzte Vergleichslohnregelung werde dazu führen, dass höher qualifizierte Arbeitslose die geringer Qualifizierten verdrängten. „Damit ist Hartz IV in gewisser Weise genau das Gegenteil von dem, was der Arbeitsmarkt braucht.“ Den unter dem Stichwort Hartz IV verabschiedeten Arbeitsmarktgesetzen muss noch der von der CDU/CSU dominierte Bundesrat zustimmen. Dabei haben bereits mehrere Länder angekündigt, die von der SPD-Linken durchgesetzten Änderungen wieder rückgängig machen zu wollen.

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