Wirtschaftskriminalität und Ethik
Absage an zweifelhafte Geschäftsmodelle

Deutsche Strafrechtler und Kriminologen fordern längst ein strengeres Unternehmensstrafrecht. Doch wenn es um den Schutz vor Wirtschaftskriminellen geht, können unternehmensinterne ethische Richtlinien ebenso wirksam sein. Und nicht nur das: Sie bringen auch klare Wettbewerbsvorteile.

BERLIN. Gerade war im so genannten Berliner Bankenskandal ein Urteil gefällt worden: Bewährungsstrafe wegen Untreue für Klaus Landowsky, den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus und Vorstandschef der landeseigenen Berlin Hyp. Zur selben Zeit geriet Christophe de Margerie, der neue Chef des französischen Erdölkonzerns Total, in den Verdacht, Schmiergelder im Iran verteilt zu haben.

Die verschlafene märkische Fontanestadt Neuruppin musste sich unterdessen Etiketten wie „Deutschlands Klein-Palermo“ gefallen lassen oder „Mafia in der Mark“; von korrupten Verflechtungen zwischen Drogenhändlern, der Stadtverwaltung und der Polizei war die Rede. Und in Frankfurt am Main wurde – mal wieder – ein Korruptionsskandal vor Gericht verhandelt. Ein Fondsmanager soll eine halbe Million an Schmiergeldern genommen haben.

An Aktualität und Anschaulichkeit mangelte es dem „Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik“ (DNWE) nicht, als es am vergangenen Wochenende in Berlin seine Jahrestagung „Wirtschaftskriminalität und Ethik“ ausrichtete. Das Netzwerk versteht sich als Initiative von Wissenschaftlern und Praktikern mit dem Ziel, „den offenen Austausch von Gedanken und Ideen über alle ethischen Fragen des Wirtschaftens zu fördern und wirtschaftliches Handeln ethisch zu orientieren“.

Corporate Crime doesn’t pay: Vorgeblich „weiche“ Rahmenbedingungen, die wie „ethische Orientierung“ stets unter „Gedöns“-Verdacht stehen, bringen im Geschäftsleben klare Gewinn- und Wettbewerbsvorteile, wie Kai-D. Bussmann weiß. Der Strafrechtler und Kriminologe an der Universität Halle-Wittenberg führt zurzeit, gefördert von der Volkswagen-Stiftung, einen empirischen Vergleich zwischen deutschen, US-amerikanischen und US-Tochterfirmen in Deutschland durch und kommt zu dem Schluss: Amerikanische Unternehmen und Unternehmenstöchter sind vor Schäden durch Wirtschaftskriminelle besser geschützt als deutsche. Unter anderem, weil das strenge Regelwerk, etwa der „Sarbanes Oxley Act“ nicht nur für börsennotierte US-Unternehmen, sondern für die Wirtschaft insgesamt richtungweisend geworden ist, womöglich mit globaler Tendenz: „Das bessere amerikanische Recht“, so Bussmann, „schlägt weltweit den Beat.“

Strafrechtler und Kriminologen, so die Bielefelder Professorin Britta Bannenberg, fordern längst ein Unternehmensstrafrecht à la USA mit deutlicheren Bestimmungen etwa zum Einzug von Vermögen aus korruptiven Handlungen. „Die traditionelle Rechtsgutslehre ist ungeeignet“, sagt auch Heiner Alwart, Rechtsphilosoph an der Universität Jena, der gerne von einer „Marktwirtschaftskriminalität“ spricht, die von der Strafrechtswissenschaft in ihren Besonderheiten endlich richtig verstanden werden müsse.

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