Wirtschaftskrise
Hundt offen für kürzere Arbeitszeiten

Forderungen der IG Metall, zur Vermeidung von Entlassungen in der Wirtschaftskrise die Wochenarbeitszeit vorübergehend unter 30 Stunden zu senken, sind im Arbeitgeberlager auf ein positives Echo gestoßen. „Ich stehe derartigen Überlegungen vom Grundsatz her durchaus positiv gegenüber“, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt.
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BERLIN. Ob es am Ende zu solchen Vereinbarungen kommt, sei allerdings allein Sache der Tarifvertragsparteien, fügte Hundt im Interview mit dem Deutschlandfunk hinzu.

Lob für Lohnzurückhaltung

Zugleich lobte Hundt die Ankündigung von IG-Metall-Chef Berthold Huber, bei den im Frühjahr 2010 anstehenden Lohnverhandlungen Zurückhaltung zu üben. Im Moment sei sicherlich nicht die Zeit, „im größeren Umfang Lohnsteigerungen zu fordern oder gar zu vereinbaren“ , sagte Hundt.

Die IG Metall hatte in der vergangenen Woche angekündigt, sie wolle mit den Arbeitgebern im Schlüsselbezirk Baden-Württemberg kurzfristig ein Tarifpaket mit Arbeitszeitverkürzungen für Krisenbetriebe aushandeln. Ziel sei es, Geschäftsleitung und Betriebsrat die Option zu geben, die Wochenarbeitszeit zeitweilig auf bis zu 28 Stunden zu senken, um Jobs zu sichern. Parallel will die IG Metall den Unternehmen auch eine Entlastung bei den Lohnkosten ermöglichen. Normalerweise gilt in der Metall- und Elektroindustrie die 35-Stunden-Woche. Allerdings gibt es bereits heute einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung, der es den Betriebsparteien erlaubt, die Wochenarbeitszeit auf bis zu 30 Stunden zu senken bei gleichzeitiger Kürzung der Löhne um 14 Prozent.

Auf diesem Modell möchte Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann aufbauen, um den Betrieben in kritischen Fällen einen zusätzlichen Spielraum zu eröffnen. Volkswagen war es vor einigen Jahren gelungen, mit der vorübergehenden Einführung einer 28-Stunden-Woche 30 000 Arbeitsplätze im gesamten VW-Konzern zu sichern.

Um die Lohneinbußen für die Beschäftigten in Grenzen zu halten, möchte Hofmann für die zusätzlichen zwei Stunden Arbeitszeitverkürzung allerdings einen Teillohnausgleich vereinbaren. Der Arbeitgeber würde dann faktisch mehr als 28 Stunden bezahlen. Damit dies für die Betriebe verkraftbar wird, fordert die IG Metall von der Politik, auf Steuern und Sozialabgaben für den Lohnausgleich zu verzichten.

Kurzarbeit nicht verlängern

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hat zwar seine prinzipielle Bereitschaft erklärt, über zusätzliche Arbeitszeitverkürzungen zu verhandeln. Er hält sie aber nur für finanzierbar, wenn die Unternehmen die Kosten nicht alleine tragen müssen.

Einer von den Gewerkschaften geforderten Verlängerung der Kurzarbeit über 24 Monate hinaus erteilte der Arbeitgeberpräsident eine Absage. Das sei für die Unternehmen zu teuer. Er gehe aber davon aus, dass die bestehende Regelung auch 2010 aufrecht erhalten werde.

Kommentare zu " Wirtschaftskrise: Hundt offen für kürzere Arbeitszeiten"

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  • Dieter Hundt hat offensichtlich wesentlich mehr intellektuell drauf als ich ihm je zugetraut hätte.
    Das ist ja bei so jemand keine soziale Motivation, er scheint zu sehen, was auf Deutschland zukommt....!

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