Wirtschaftskrise
Konjunkturpaket: Lasst es fließen

Das Konjunkturpaket II teilt die Republik in ein Land der zwei Geschwindigkeiten: Städte wie Arnsberg geben das Geld aus Berlin bereits aus. Die 75000-Einwohner-Stadt im Sauerland zu den ersten unter den 12263 deutschen Kommunen, die das Geld aus dem Konjunkturpaket investieren. Ganz anders im rheinischen Kerpen: Hier wird immer noch geplant.
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ARNSBERG/KERPEN. Die Gefahr abzustürzen ist groß. Willy Hesse weiß das. 67 Jahre ist er alt, 46 Jahre ist er Dachdeckermeister. Hesse steht auf einem Hügel mitten in Arnsberg, Sauerland. Er hat die Füße nach außen gespreizt, als ob er über einen First balancieren müsste. Dabei hat er festen, wenn auch matschigen Boden unter den Füßen. Vor ihm breitet sich die Altstadt aus, herausgeputzte Häuser aus Fachwerk und Schiefer.

"Wirtschaftskrise, Kurzarbeit, da haben vor allem Firmen kein Geld, um Dächer sanieren zu lassen", sagt Hesse. Ein Großauftrag ist ihm vor kurzem weggebrochen.

Die Krise, das ist derzeit der eigentliche Balanceakt für Dachdecker Willy Hesse. Die Gefahr abzustürzen ist größer denn je.

Noch steht Hesse und schaut auf das Flachdach eines Gebäudes, das in den Hang hineingebaut wurde. Es gehört zur Turnhalle des städtischen Gymnasiums Laurentianum. Zwei seiner Mitarbeiter fegen dort Dreck zusammen - Vorarbeiten, um das Dach zu sanieren mit seinen vielen Lichtkuppeln, die Tageslicht in die Turnhalle hereinlassen. Ein wichtiger Auftrag für die Dachdecker in Zeiten wie diesen.

Hesse hat ihn der Politik zu verdanken. Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück haben Anfang des Jahres das Konjunkturpaket II auf den Weg gebracht. Zehn Milliarden Euro erhalten Länder und Kommunen vom Bund, um Schulen, Kindergärten und Straßen zu sanieren. Das Geld soll Deutschlands Wirtschaft vor dem Absturz bewahren, es soll Handwerker wie Willy Hesse in Arnsberg durch die Rezession bringen.

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