Wirtschaftsminister Brüderle
„Wechselkurse sollten sich am Markt bilden“

Läuft die Welt Gefahr, dass der Abwertungswettlauf wichtiger Währungen in einem Handelskrieg gipfelt? Wirtschaftsminister Rainer Brüderle über die Risiken des Wechselkursstreites, die Verantwortung Chinas und den Protektionismus.
  • 1

Handelsblatt: China betreibt Währungsdumping, um sich Marktanteile im Exportgeschäft zu sichern. Das US-Repräsentantenhaus hat deshalb schon Strafzölle gegen Peking auf den Weg gebracht. Droht nach dem „Währungskrieg“ eine weitere Eskalation?

Rainer Brüderle: Wir müssen aufpassen, dass aus dem Währungskrieg kein Handelskrieg wird. China trägt viel Verantwortung, dass es nicht zur Eskalation kommt. Wir beobachten ohnehin, dass einzelne Länder auf den Devisenmärkten gegen eine Aufwertung ihrer Währung intervenieren. Wechselkurse sollten sich aber am Markt bilden. Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank hat jüngst deutlich gemacht, dass Wechselkurse ökonomische Fundamentaldaten widerspiegeln sollen. Im Übrigen sind Interventionen in den wenigsten Fällen erfolgversprechend und haben allenfalls kurzfristige Effekte.

Welche ökonomischen Gefahren ergeben sich denn konkret aus dem Streit über die Wechselkurse?

Auf Dauer kann man nicht ungestraft gegen die Marktkräfte agieren. Durch die Interventionen der Zentralbanken werden die Finanzmärkte mit Liquidität überschwemmt. Hält dies zu lange an, drohen Übertreibungen und Blasenbildungen.

Droht eine Währungskrise wie in der 30er-Jahren, die ganze Volkswirtschaften in die Tiefe reißen kann?

Nein. Die Welt heute ist nicht mit den 30er-Jahren zu vergleichen. Das haben wir in der jüngsten Wirtschafts- und Finanzmarktkrise gesehen. Sie ist schwächer und kürzer ausgefallen als zunächst erwartet, da sich die Volkswirtschaften als ziemlich robust erwiesen haben. Dazu hat beigetragen, dass sich die Strukturen verändert haben. Die Politik hat weltweit dazugelernt – insbesondere in puncto internationaler Zusammenarbeit.

Die USA und Europa drängen insbesondere China zur Aufwertung des Yuans. Kanzlerin Merkel sucht bereits nach einer neuen Weltwährungsordnung unter den G20-Staaten. Wie realistisch ist der Plan?

Wir müssen versuchen, uns international auf eine gemeinsame Linie zu einigen. Vor dem Hintergrund der bisher guten internationalen Zusammenarbeit – auch im Rahmen der G20 – gehe ich davon aus, dass dies gelingen wird. Auch wenn der Yuan in den letzten Jahren aufgewertet hat, bestehen nach wie vor Ungleichgewichte. Ich werbe auch auf dieser Reise für ein Entgegenkommen Chinas und sehe mich als Missionar im Kampf gegen den Protektionismus.

Ende Oktober vertreten Sie den erkrankten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beim Treffen der G20-Finanzminister in Südkorea. Was wollen Sie gegen die Währungsmanipulatoren unternehmen?

Über Gegenmaßnahmen nachzudenken halte ich nicht für zielführend. Das würde ja dem Protektionismus Tür und Tor öffnen. Die Zeiten, in denen man sich wirtschaftlich abschotten konnte, sollten im Zeitalter der Globalisierung eigentlich vorbei sein. Am Ende stünden lediglich höhere Preise für die Verbraucher und eine Beschränkung unserer Exportmärkte.

Seite 1:

„Wechselkurse sollten sich am Markt bilden“

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Wirtschaftsminister Brüderle: „Wechselkurse sollten sich am Markt bilden“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Oh je, Weltwährung. Na das ist ja nur konsequent. Genau so wie die Globalisierung ein Geschenk war. Ein souveräner Staat tut genau das was für seine bürger gut ist. Was nützt denn billigspielzeug, wenn es so viele Arbeitslose oder billigjobber gibt, die sich das nicht mal leisten können. ist China nicht auch Protektionistisch oder können wir dort alles verkaufen was wir möchten? bald haben deutsche Firmen ihr ganzes Know How dorthin transferiert und hier gucken alle nur noch in die Röhre, oder besser ins Staatsfernsehen. Deutschland sollte sich mal stärker auf seine Tugenden konzentrieren und die binnennachfrage mit deutschen Produkten und Dienstleistungen anschieben, bzw. die Rahmenbedingungen schaffen. Wir können nicht bei unseren Lebenshaltungskosten zu Niedriglohnstundensätzen arbeiten. China könnte den Dollar sofort crashen lassen mit seinem bestand an US-Schuldtiteln, hat aber kein interesse daran, da sonst alles den bach runtergehen würde. ,o(

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%