Wirtschaftsminister über Opel
„Der Ball liegt jetzt bei General Motors“

Die Bundesregierung gibt sich immun gegen die Charmeoffensive von GM-Boss Fritz Henderson, der neuerlich Staatshilfen für Opel anfragte. „Der Ball liegt jetzt bei General Motors und nicht in Berlin“, sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Die Opposition sieht das anders: Der Minister solle handeln – und nicht klagen.
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HB BERLIN. GM-Vize John Smith hielt sich am Mittwoch zu Gesprächen in Berlin auf. Smith habe um das Gespräch gebeten, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Ein Treffen mit Wirtschaftsminister Brüderle (FDP) war nicht vorgesehen.

Zuvor hatte sich Henderson für den abrupten Kurswechsel seines Konzerns bei der Opel-Rettung öffentlich entschuldigt. Der GM-Vorstandschef sagte am Dienstagabend in der ARD, der Konzern bedauere, wie der Prozess der Opel-Rettung in den letzten Wochen abgelaufen sei: „Es geht darum, Vertrauen wieder zu gewinnen.“ Er zog auch die Drohung des Konzerns zurück, Opel in die Insolvenz zu schicken, wenn die Beschäftigten nicht zu Zugeständnissen bereit seien. „Eine Insolvenz ist nicht notwendig und auch nicht wahrscheinlich“, sagte Henderson. Brüderle sagte, die Hängepartie bei Opel sei eine Warnung. Die Wirtschaft müsse wieder in geordnete Bahnen kommen und der Staat müsse sich Zug um Zug zurückziehen.

Dagegen forderte der SPD-Politiker Hubertus Heil den Wirtschaftsminister auf, sich persönlich um Opel zu kümmern. Er solle unverzüglich in Verhandlungen mit GM eintreten. „Sie sind aufgefordert zu handeln, nicht nur zu beklagen.“

Der US-Autobauer will seine deutsche Tochter Opel selbst sanieren und dafür bei den Regierungen der Länder mit Opel-Standorten um Unterstützung werben. GM hatte den Finanzbedarf für die Rettung auf drei Milliarden Euro beziffert. Der Konzern will womöglich noch vor Jahresende auch mit der Abzahlung seiner Schulden an die US-Regierung beginnen. Die Bundesregierung wartet darauf, dass GM ein verlässliches Sanierungskonzept für Opel vorlegt. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte am Mittwoch in Brüssel, GM wolle den neuen Businessplan schon in Kürze den Regierungen vorzustellen. Brüderle warf dem Management des US-Konzerns unterdessen vor, Entscheidungen viel zu lange verzögert zu haben. Dabei sei viel Geld verbrannt worden.

Details über die von GM geplanten Stellenstreichungen in Deutschland sollen erst in einigen Wochen vorliegen, wie GM-Chef Fritz Henderson am Dienstag erklärt hatte: „Zuerst müssen wir uns mit den Betriebsräten auf einen Restrukturierungsplan einigen.“ Der Autobauer will rund 10 000 der 50 000 Stellen in Europa streichen und die Fixkosten um 30 Prozent senken.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) forderte rasch eine Zukunftsperspektive für Opel. „Es wäre ein gutes Zeichen, wenn es bis Weihnachten eine Lösung gäbe“, sagte er am Mittwoch und machte sein Misstrauen gegenüber GM deutlich: „Ich will das aber schriftlich haben.“ Rüttgers warf den GM-Managern vor, „über Monate hinweg Menschen zu Geiseln“ ihrer Unternehmenspolitik gemacht zu haben und am Ende auch noch wortbrüchig geworden zu sein.

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte, er halte den Verkauf von Opel-Modellen in Russland, Asien und sogar den USA für möglich. Dass Henderson Opel als starke Regionalmarke ansehe, bezeichnete er als positiv. Damit bleibe Opel in Europa bestehen. „Wir kennen Planspiele, Opel in Europa durch Chevrolet zu ersetzen“, sagte Einenkel. Opel sei in Russland beliebt und könne auch im asiatischen Markt punkten. Da General Motors in den USA keine kleinen Autos wie den Corsa, Astra oder Zafira anbiete, ließen sich solche Modelle auch dort verkaufen. „Das kann GM unter einer eigenen Marke anbieten, weil Opel in den USA nicht bekannt ist“, sagte Einenkel. Henderson hatte am Dienstag gesagt: „Opel ist eine Regionalmarke, eine starke europäische Marke. Ich sehe nicht, dass sich das ändert.“ Er sei aber offen für Ideen, wie Opel andernorts erfolgreich sein könne.

Die europäischen Opel-Händler sagten GM am Mittwoch ihre volle Unterstützung bei der Opel-Sanierung zu. Geld wollen sie nach dem geplatzten Verkauf an Magna aber nicht mehr bereitstellen, sagte ein Sprecher des Händlerverbands Euroda am Mittwoch im niederländischen Assen. Bei einem Gespräch in Rüsselsheim habe Henderson Opel mehr Eigenständigkeit versprochen. „GM bietet Opel/Vauxhall kurzfristig wie langfristig eine gute Perspektive“, sagte Euroda-Chef Jaap Timmer nach einem Gespräch mit Henderson.

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  • bitte die berichterstattung über Opel massiv zurückfahren. Das langweilt nur noch.
    Opel zum Unwort des Jahres wählen.


  • Diese Debatten um die Sanierung!

    Opel kann man nicht mehr helfen!

    Jetzt die Notbremse ziehen und Reagieren!

    Auch eine Aktiengesellschaft für Opel hat keine Wirkung!

    Mfg

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